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Terroranschlag in Hessen abgewendet

Abgesagt: Das Gerüst an der Ziellinie des Radrennens "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" wird an der Alten Oper in Frankfurt abgebaut. Foto: Arne Dedert/dpa

Die hessischen Sicherheitsbehörden haben womöglich im letzten Moment einen islamistischen Terroranschlag vereitelt. Im Fokus der Extremisten soll ein Radrennen gestanden haben, zu dem am 1. Mai Zehntausende Zuschauer erwartet wurden.

In der Nacht zum Donnerstag nahm ein Spezialeinsatzkommando in Oberursel im Taunus ein türkischstämmiges Ehepaar fest. Bei der Durchsuchung der Wohnung fanden die Ermittler im Keller eine funktionsfähige Rohrbombe, 100 Schuss scharfer Munition, Teile eines Sturmgewehrs G3 und eine Übungsgranate für eine Panzerfaust.

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) sprach von einem salafistischen Hintergrund des Paares. Das geplante Radrennen «Rund um den Finanzplatz Frankfurt-Eschborn» wurde aus Sicherheitsgründen trotz Festnahme abgesagt: Die Ermittler konnten nicht ausschließen, dass das Duo Komplizen hat. Das Landeskriminalamt (LKA) sah deshalb die Gefahr eines Anschlags noch nicht gebannt. «Wir müssen wissen, ob es Mittäter gibt, die noch agieren oder schon agiert haben», sagte ein LKA-Sprecher.

Beamte durchkämmten den Wald an der Strecke des abgesagten traditionsreichen Radrennens - auch um sicherzugehen, dass dort keine Bomben deponiert wurden. Bislang fanden sie nichts. Ein Polizeisprecher sagte: «Es war ein größeres Polizeiaufgebot. Glücklicherweise hat es nichts Verdächtiges gefunden.» Trotz Absage des Radrennens seien rund 500 Amateure aus Protest gegen Gewalt und Terror auf der nicht mehr abgesperrten Strecke gestartet.

Ein Richter erließ gegen das festgenommene Paar - einen 35-jährigen Deutschtürken und eine 34-jährige Türkin - am Donnerstagabend Haftbefehl. Es wird der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat und der Vorbereitung einer Explosion verdächtigt.

«Nach alldem, was wir wissen zum jetzigen Zeitpunkt, haben wir ein Anschlagsgeschehen verhindert», sagte der zuständige Polizeipräsident Stefan Müller. Nach Erkenntnissen der Ermittler war das bei dem Ehepaar sichergestellte Material dazu geeignet, eine Vielzahl von Menschen zu töten oder zumindest schwer zu verletzen.

Der beschuldigte Mann sei in den vergangenen Tagen auf Parkplätzen und im Wald entlang der Rennstrecke von Oberursel auf den Feldberg beobachtet worden, sagte der Leiter der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Albrecht Schreiber. Deshalb habe sich die Polizei zum Zugriff entschlossen. Zwar sei ein geplantes Anschlagsziel weiterhin nicht bekannt. «Allerdings gab es deutliche Überschneidungen von Streckenverlauf des Radrennens und Bewegungsprofil der festgenommen Personen», so das LKA.

Das Paar habe Ende März in einem Frankfurter Baumarkt eine größere Menge Wasserstoffperoxid gekauft, sagte Staatsanwalt Müller. «Der Einkauf erfolgte unter Angabe falscher Personalien.» Eine Mitarbeiterin des Baumarkts habe die Polizei informiert. Der Kauf der Chemikalie, die für Sprengsätze geeignet ist, ist meldepflichtig.

Der Mann sei am Mittwoch kurz vor Mitternacht festgenommen worden, dann sei nachts ab 4.00 Uhr die Wohnung des Ehepaares durchsucht worden. «Es war bekannt, dass zwei Kleinkinder in der Wohnung sind. Denen ist bei dem Zugriff nichts passiert», sagte Müller. Die Kinder wurden in die Obhut des Jugendamtes übergeben.

«Der Beschuldigte unterhielt Verbindungen zur Extremisten-Szene im Rhein-Main-Gebiet», sagte Staatsanwalt Schreiber. Nach den Angaben hatte der 35-Jährige vor Jahren auch Verbindung zur islamistischen Sauerland-Gruppe. Vier Mitglieder der Sauerland-Gruppe waren 2012 wegen der Planung von Terroranschlägen verurteilt worden. Der Deutschtürke war der Polizei auch wegen anderer Delikte wie Körperverletzung, Einbruch und Nötigung bekannt.

Im Rhein-Main-Gebiet gibt es eine sehr aktive salafistische Szene. Am Frankfurter Flughafen ereignete sich 2011 der bislang einzige islamistische Terroranschlag in Deutschland. Dabei ermordete ein 22-jähriger Islamist mit Wurzeln im Kosovo zwei US-Soldaten und verwundete zwei Soldaten lebensgefährlich. Im Januar und Februar waren wegen Warnungen vor Terrortaten Großveranstaltungen in Braunschweig und Dresden abgesagt worden, auch in Bremen gab es seinerzeit einen größeren Anti-Terror-Einsatz.