Pompeo verurteilt "Einschüchterung" von Atom-Inspekteurin im Iran

US-Außenminister Pompeo

US-Außenminister Mike Pompeo hat die Behandlung einer Inspekteurin der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) durch die iranischen Behörden als "empörenden und ungerechtfertigten Akt der Einschüchterung" verurteilt. Der Iran habe die Inspekteurin "festgehalten", erklärte Pompeo am Freitagabend. Die Frau war nach Angaben der IAEA in der vergangenen Woche kurzzeitig am Verlassen des Iran gehindert worden.

Die iranische Atomenergiebehörde hatte am Donnerstagmorgen mitgeteilt, die Akkreditierung der Inspekteurin zurückgezogen zu haben. Hintergrund sei ein Zwischenfall bei einer Eingangskontrolle an der iranischen Atomanlage Natans. Demnach wurde durch die Inspekteurin ein Alarm ausgelöst, weshalb der Verdacht bestanden habe, dass sie ein "verdächtiges Produkt" bei sich gehabt habe. Daher sei ihr der Zugang verwehrt worden.

Irans Botschafter bei der IAEA, Kasem Gharib Abadi, sagte vor Journalisten in Wien, nach dem Alarm sei die Inspekteurin auf die Toilette "entschwunden", bevor sie mit einem Detektor gründlicher durchsucht werden sollte. Nach ihrer Rückkehr sei der Alarm nicht wieder ausgelöst worden, Behördenvertreter hätten auf der Toilette und später in ihrer leeren Handtasche jedoch eine Kontaminierung mit einer explosiven Substanz auf Nitratbasis festgestellt. IAEA-Vertreter seien während der Durchsuchungen anwesend gewesen.

Abadi dementierte, dass die IAEA-Mitarbeiterin festgenommen worden sei. Sie habe das Land trotz der laufenden Untersuchungen verlassen können, ihre Abreise sei "einfach und zügig" verlaufen. Die IAEA nahm zu dem Vorfall bislang nicht öffentlich Stellung.

Pompeo erklärte, die USA seien "alarmiert über die mangelnde Kooperationsbereitschaft des Iran". Die Inspekteure müssten ungehindert ihrer wichtigen Arbeit nachgehen können. Der Iran müsse "umgehend alle offenen Fragen mit der IAEA klären" und den Inspekteuren die erforderliche Immunität gewähren.

Der Iran zieht sich seit Mai schrittweise aus dem internationalen Atomabkommen zurück. Er reagiert damit auf den einseitigen Ausstieg der USA aus der Vereinbarung und der Verhängung scharfer neuer Wirtschaftssanktionen. Teheran will mit dem schrittweisen Rückzug den Druck auf die verbliebenen Vertragspartner erhöhen, mehr zur Rettung des Atomabkommens und zur Aufrechterhaltung der Wirtschaftsbeziehungen zu unternehmen.

Der Iran wird seit langem verdächtigt, nach Atomwaffen zu streben. Teheran hat dies stets bestritten und betont, sein Atomprogramm diene ausschließlich zivilen Zwecken.