Portugiesen in Frankreich: Unentschieden, wie so viele

Portugiesische Supermärkte und Restaurants gehören fest zum Bild vieler Städte in Frankreich. In der offiziellen Statistik des Landes werden Portugiesen als größte Gemeinschaft von ausländischen EU-Bürgern geführt. Sie gelten als besonders gut in die französische Gesellschaft integriert.

Es gibt etwa eine Million Menschen in Frankreich mit portugiesischen Wurzeln. Dazu gehören auch Bürger mit Doppelpass und Kinder der zweiten Generation. Etwa die Hälfte von ihnen hat nur die portugiesische Staatsbürgerschaft und darf nicht abstimmen.

Zum Beispiel Emilie: Sie hat einen portugiesischen Vater und eine spanische Mutter. Sie sitzt für den Front National im Stadtrat von Givors, in der Nähe von Lyon. Aus ihrer Sicht steht die Anti-Einwanderungs-Rhetorik ihrer Parteichefin nicht im Widerspruch zu ihrer Familiengeschichte.. “Ich bin die Tochter von Einwanderern. Meine Eltern kamen nach Frankreich und haben sich integriert. Sie haben gearbeitet und hatten ein Einkommen”, sagt Emilie. “Ich bin nicht grundsätzlich gegen Einwanderung. Ich habe etwas gegen Einwanderer, die dem Staat auf der Tasche liegen.”

Ganz anders sieht das Lídia. Sie kam 1980 nach Frankreich und nahm kurz darauf die französische Staatsbürgerschaft an. Für sie und ihren Sohn, einen Unternehmer, gibt es keinen Zweifel. Emmanuel Macron muss gewinnen. Seine Jugend sehen sie als ein Plus. “Wenn wir einen neuen Präsidenten bekommen, sollte er nicht zu alt sein”, sagt sie. “Wir haben genug von diesen alten Herren über 50 oder 60. Das ist zwar noch kein Alter, aber warum nicht mal zur Abwechslung einem 39jährigen eine Chance geben?”

In Frankreich sind Umfragen und Statistiken, die sich nur auf eine ethnische Gruppe beziehen, per Gesetz verboten. Deshalb ist es schwer vorherzusagen, wie sich die Portugiesen bei der Präsidentenwahl entscheiden werden. Weil sie aber so gut integriert sind, gehen Experten davon aus, dass es kaum Unterschiede zur französischen Gesamtbevölkerung gibt. In der ersten Runde dürfte es Unterstützer für alle Lager gegeben haben und in der zweiten Runde wird das nicht anders sein.

Ohnehin ist die portugiesische Gemeinde in Frankreich ist nicht groß genug, um wirklich eine entscheidende Rolle für den Ausgang der Präsidentenwahl zu spielen. Ihre Unentschiedenheit entspricht aber wie in einem Brennglas der Unentschiedenheit aller Franzosen vor der Entscheidung dieses Präsidentschaftswahlkampfs.

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