Präsident Jammeh erklärt Gambia zu "islamischen Staat"

Gambias Präsident Jammeh

Der Präsident von Gambia, Yahya Jammeh, hat sein Land zu einem "islamischen Staat" erklärt. "Das Schicksal Gambias liegt in den Händen Allahs, des Allmächtigen", sagte der 50-Jährige nach Angaben des Präsidialamtes bei einer Rundreise durch den westafrikanischen Kleinstaat am Donnerstag in Brufut, 25 Kilometer von der Hauptstadt Banjul entfernt. "Ab heute ist Gambia ein islamischer Staat."

Offizielle Erläuterungen dazu, was die Änderung für Auswirkungen haben soll, gab es nicht. Gambia hat 1,96 Millionen Einwohner, von denen 90 Prozent Muslime sind. Jammeh steht seit einem Putsch 1994 an der Spitze des Landes. Er wurde in den Jahren 1996, 2001, 2006 und 2011 als Präsident gewählt. 2002 ließ er eine Verfassungsänderung beschließen, nach der der Präsident unbegrenzt wiedergewählt werden kann.

Jammeh ist ein praktizierender Muslim, der häufig mit einer Ausgabe des Koran in der Hand öffentlich auftritt. Ihm werden von seinen Landsleuten mystische Kräfte nachgesagt. Im März 2014 kündigte er an, Gambia werde die englische Sprache als Nationalsprache aufgeben und sich stattdessen für eine afrikanische Sprache entscheiden. Die Ankündigung blieb bislang folgenlos.

Gambia war seit 1888 eine britische Kolonie und erlangte 1965 die Unabhängigkeit im Rahmen des Commonwealth. Im Oktober 2013 kündigte Jammeh den Rückzug Gambias aus dem Commonwealth an, da diese Vereinigung englischsprachiger Staaten eine "koloniale" Einrichtung sei.