Präsident Lula: Brasilien war auf schwere Überschwemmungen "nicht vorbereitet"

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat mit Blick auf die schweren Überschwemmungen im Süden des Landes Defizite beim Katastrophenschutz eingeräumt. Auf eine Katastrophe von diesem Ausmaß sei das Land "nicht vorbereitet" gewesen, sagte er. (ANSELMO CUNHA)
Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat mit Blick auf die schweren Überschwemmungen im Süden des Landes Defizite beim Katastrophenschutz eingeräumt. Auf eine Katastrophe von diesem Ausmaß sei das Land "nicht vorbereitet" gewesen, sagte er. (ANSELMO CUNHA)

Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat mit Blick auf die schweren Überschwemmungen im Süden des Landes Defizite beim Katastrophenschutz eingeräumt. Auf eine Katastrophe von diesem Ausmaß sei das Land "nicht vorbereitet" gewesen, sagte Lula am Montag bei Beratungen mit Finanzminister Fernando Haddad und dem Gouverneur des Bundesstaats Rio Grande do Sul, Eduardo Leite. Er kündigte einen erneuten Besuch im Überschwemmungsgebiet an.

Bei den seit Wochen andauernden Überschwemmungen in Rio Grande do Sul kamen neuen Angaben zufolge bisher mindestens 147 Menschen ums Leben, mehr als 800 weitere wurden verletzt. Einsatzkräfte in Booten und auf Jetskis suchten zuletzt noch nach 127 Vermissten.

Hunderte Dörfer und Städte, darunter auch Teile der Regionalhauptstadt Porto Alegre, stehen seit Tagen unter Wasser. Hunderttausende mussten wegen der Überschwemmungen ihre Häuser verlassen, etwa 80.000 Menschen kamen in Schulen, Sporthallen und anderen Notunterkünften unter. Insgesamt sind mehr als zwei Millionen Menschen von der Naturkatastrophe betroffen.

Das öffentliche Leben in Rio Grande do Sul ist weitgehend lahmgelegt: Etwa 360.000 Schülerinnen und Schüler konnten am Montag weiter nicht zur Schule gehen, der internationale Flughafen war geschlossen und zahlreiche Straßen und Brücken waren unpassierbar.

Rio Grande do Sul ist auch ein wichtiger Getreide-Produzent. Mehr als zwei Drittel des in Brasilien konsumierten Reises werden in dem Bundesstaat angebaut. Nun stehen viele Anbaubetriebe unter Wasser. Die Regierung in Brasília hat bereits angekündigt, 200.000 Tonnen Reis zu importieren, um die Versorgung sicherzustellen und Preisspekulationen zu verhindern.

Am Montag ließ der Regen zwar etwas nach, nach erneuten heftigen Regenfällen am Wochenende haben die Pegel vieler Flüsse aber wieder Höchststände erreicht. "Es ist nicht der Moment, in Häuser in Risikogebieten zurückzukehren", warnte Gouverneur Leite. Lula hat wegen der Überschwemmungen einen Staatsbesuch in Chile verschoben und will am Mittwoch nun zum dritten Mal in das Überschwemmungsgebiet reisen.

In Brasilien gab es in den vergangenen Monaten eine ganze Reihe von Extremwetterereignissen wie Hitzewellen und Starkregen. Experten zufolge führt die Erderwärmung dazu, dass solche Ereignisse häufiger und intensiver auftreten. Derzeit werden die Wetterextreme durch das Klimaphänomen El Niño noch verstärkt.

mid/ck