Frankreich beschlagnahmt wegen Coronavirus Atemschutzmasken

Keine Masken mehr: Apotheke in Montpellier

Wegen der schnellen Ausbreitung des neuartigen Coronavirus beschlagnahmt der französische Staat sämtliche Bestände an Atemschutzmasken. Nach Angaben von Präsident Emmanuel Macron sollen sie an das Gesundheitspersonal und mit dem Virus infizierte Franzosen verteilt werden. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte vor den weltweiten Konsequenzen von Hamsterkäufen: Überall werde Schutzausrüstung knapp, auch die Lagerbestände seiner Organisation gingen zu Ende.

"Wir beschlagnahmen alle Vorräte sowie die Produktion von Schutzmasken", verkündete Macron am Dienstag auf Twitter. Die Regierung will damit auch weitere Hamsterkäufe verhindern. In vielen Apotheken sind Schutzmasken derzeit ausverkauft. Manche Verkäufer bieten sie zu Höchstpreisen an, auch im Internet. Aus einer Klinik in Marseille wurden rund 2000 OP-Masken gestohlen.

Bisher hat Frankreich aus seinen strategischen Reserven zehn Millionen Masken freigegeben, um sie für Krankenhäuser und Ärzte zur Verfügung zu stellen. Die französischen Gesamtreserven werden auf 160 Millionen Masken geschätzt.

Auch andere Länder haben mit dem wachsenden Mangel an Schutzausrüstung für das Gesundheitspersonal zu kämpfen. Nach Angaben von WHO-Chef Tedros gefährden "wachsende Nachfrage, Hamsterkäufe und Zweckentfremdung" von Masken und Schutzbrillen weltweit den Kampf gegen das Virus. Die WHO habe bereits 27 Länder mit Schutzausrüstung unterstützt, doch auch ihre Lager leerten sich zusehends, sagte Tedros.

Der Erreger der neuen Lungenkrankheit Covid-19 aus China hat sich inzwischen in mehr als 75 Ländern ausgebreitet, darunter zuletzt in der Ukraine. Viele Länder reagieren mit zunehmend drastischen Maßnahmen: In Südkorea, wo inzwischen mehr als 5100 Menschen infiziert wurden und 28 starben, erklärte Präsident Moon Jae In dem Virus am Dienstag "den Krieg". Er forderte die Regierungsbehörden auf, künftig rund um die Uhr arbeiten.

In Polen verabschiedete das Parlament vorsorglich ein Gesetz, der Regierung weitgehende Befugnisse einräumt. Sie kann demnach bestimmte Bürgerrechte einschränken, sollte es zu einer Epidemie kommen - bislang allerdings gibt es in dem Land nur Verdachtsfälle. Die Schweiz beschränkte den Ausgangsradius seiner Truppen, nachdem ein Armeeangehöriger positiv auf das Virus getestet wurde. Die EU aktivierte ihren Krisenmodus IPCR, um schneller Entscheidungen treffen zu können.

In Norwegen saß das deutsche Kreuzfahrtschiff "Aida Aura" mit 1200 Passagieren seit Montag im Hafen von Haugesund fest, weil ein deutscher Passagier erfahren hatte, dass in seinem Arbeitsumfeld zu Hause das Coronavirus nachgewiesen worden war. Obwohl er und seine Begleitperson gesund wirkten, wurden sie vorsorglich isoliert und getestet. Am Dienstagnachmittag kam dann die Entwarnung.

Erneut breitete sich das Virus weltweit deutlich rasanter aus als in seinem Ursprungsland China. Dort meldeten die Behörden am Dienstag 125 Neuinfektionen und 31 weitere Todesopfer - außerhalb Chinas waren es knapp 2500 Neuinfektionen sowie 46 weitere Tote. Einige Chinesen stecken sich inzwischen auf Auslandsreisen an.

Am schwersten von dem Virus betroffen sind neben Südkorea der Iran, wo sich der Leiter der nationalen Rettungsdienste angesteckt hat, Japan sowie Italien. Dort starben seit Montag 27 weitere Menschen. Die Zahl der Toten in Italien stieg damit auf 79 und der Infizierten auf über 2500.

Angesichts von inzwischen mehr als 3100 Toten und über 92.700 Infizierten weltweit warnte WHO-Chef Tedros davor, das Virus zu unterschätzen. Mit einer Sterblichkeitsrate von 3,4 Prozent sei es tödlicher als jede normale Grippe, zudem sei so gut wie niemand derzeit dagegen immun.

Allerdings sei das Coronavirus weniger ansteckend als Grippeerreger, deshalb sei eine "Eindämmung möglich", sagte Tedros. Zudem habe es sich in China gezeigt, dass "nur ein Prozent der bestätigten Infektionsfälle keinerlei Symptome hatten.