Pro-iranische Milizen im Irak kündigen "Krieg gegen US-Präsenz" in Golfregion an

Ein Mitglied der Hasched-al-Schaabi-Milizen

Wenige Tage nach der gezielten Tötung des iranischen Generals Kassem Soleimani durch einen US-Drohnenangriff haben pro-iranische Milizen im Irak einen "Krieg gegen die US-Präsenz" in der Golfregion angekündigt. Der stellvertretende Chef der Gruppierung Harakat al-Nudschaba, Nasser al-Schemmari, erklärte am Dienstag, die bewaffneten "Kräfte des Widerstands" gegen die USA würden sich zu einer "einzigen Organisation" zusammenschließen, "um auf Washington zu reagieren". Dazu werde in Kürze ein Dringlichkeitstreffen stattfinden.

Die "US-Aggression" gegen die Hasched al-Schaabi-Milizen, deren stellvertretender Anführer Abu Mehdi al-Muhandis bei dem US-Drohnenangriff am vergangenen Freitag ebenfalls getötet worden war, sei der "Beginn eines Kriegs" der USA gegen die pro-iranischen Kräfte in der Region gewesen, erklärte Schemmari.

"Wir werden einen Krieg gegen die US-Präsenz in allen Teilen der Region führen, die wir erreichen können", erklärte al-Schemmari. Die US-Botschaft in Bagdad bezeichnete er als "Agenten-Nest". Die al-Nudschaba-Miliz sei bereits in Kontakt mit dem Iran sowie mit der von Teheran unterstützten Hisbollah-Miliz im Libanon.

Die al-Nudschaba-Miliz wird vom Iraker Akram Kaabi angeführt, der auf der Schwarzen Liste der USA steht. Sie ist eine der radikalsten Gruppierungen innerhalb des Hasched-al-Schaabi-Netzwerks, deren Milizen vom Iran finanziert, bewaffnet und trainiert werden. Inzwischen sind die vornehmlich schiitischen Einheiten offiziell in den irakischen Sicherheitsapparat integriert.

Unklar blieb, welche Gruppierungen genau zu dem Dringlichkeitstreffen eingeladen wurden. Erwartet wurde jedoch, dass sowohl die zum Hasched-al-Schaabi-Netzwerk gehörenden Milizen als auch die dem einflussreichen irakischen Schiiten-Führer Moktada al-Sadr loyalen Gruppen teilnehmen würden. Nach der Tötung Soleimanis hatte al-Sadr seine Anti-US-Miliz wieder zum Kampf gerufen. Die berüchtigte al-Mehdi-Miliz hatte nach der US-Invasion 2003 dutzende US-Soldaten getötet.

Der Iran hatte nach der Tötung Soleimanis, der die gefürchteten Al-Kuds-Brigaden der iranischen Revolutionsgarden angeführt hatte, Vergeltung angekündigt. Das irakische Parlament forderte seinerseits, dass die ausländischen Truppen das Land verlassen müssten, die dort vor allem wegen des US-geführten Einsatzes gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) stationiert sind.