Corona-Pandemie bringt Staatsverschuldung auf Rekordniveau

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Euro-Geldscheine

Vor allem wegen der Corona-Pandemie sind die öffentlichen Schulden in Deutschland im vergangenen Jahr auf Rekordniveau gestiegen. Sie wuchsen um 14,4 Prozent auf 2,173 Billionen Euro und erreichten damit den höchsten jemals in der Schuldenstatistik am Ende eines Jahres gemessenen Stand, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Der Pro-Kopf-Wert kletterte demnach auf 26.141 Euro, 3281 Euro mehr als Ende 2019.

Die Statistik fasst alle Schulden zusammen, die Bund, Länder, Gemeinden, Gemeindeverbände und Sozialversicherung beim nicht-öffentlichen Bereich haben, also etwa bei privaten Banken. Auch Extrahaushalte werden dabei berücksichtigt.

Der starke Anstieg der Verschuldung im vergangenen Jahr ist laut Statistischem Bundesamt insbesondere auf die Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Pandemie zurückzuführen. Die Entwicklung setzte sich demnach auch in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 fort.

Die Entwicklung fiel den Angaben zufolge für die verschiedenen staatlichen Ebenen unterschiedlich stark aus: Die Verschuldung des Bundes legte um 18,1 Prozent auf 1,404 Billionen Euro zu. Deutlich geringer war die Steigerung mit 9,8 Prozent bei den Ländern, die zum Jahresende mit insgesamt 636 Milliarden Euro verschuldet waren. Um lediglich 1,5 Prozent wuchs die Verschuldung der Gemeinden und Gemeindeverbände; sie lag zum Jahresende bei 133,3 Milliarden Euro.

Einen Rückgang verzeichnete die Sozialversicherung: Sie war zum Jahresende mit insgesamt 44 Millionen Euro verschuldet. Ende 2019 hatte der Wert noch bei 59 Millionen Euro gelegen.

FDP-Fraktionsvize Christian Dürr bezeichnete die Schulden-Bilanz der öffentlichen Haushalte als beunruhigend. "Wenn sich der Staat immer mehr verschuldet, kann das zu einer höheren Inflation führen", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Ziel einer nächsten Bundesregierung müsse es daher sein, "die Staatsfinanzen wieder auf solide Füße zu stellen".

Anders sieht die Lage der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien. "Der Anstieg der öffentlichen Schulden in der Corona-Krise 2020 war zwar massiv, ist aber ökonomisch kein Grund zur Sorge", erklärte er.

Die 2,173 Billionen könnten zwar "erschreckend wirken". Die Schuldenquote, also das Verhältnis von Schulden zur jährlichen Wirtschaftsleistung, liege aber "deutlich niedriger als nach der Finanzkrise 2012 und dürfte ab 2022 zügig abnehmen", führte Dullien aus. Auch im internationalen Vergleich liege die Schuldenquote "eher im unteren Drittel". Wichtige andere Industrieländer wie die USA, Großbritannien oder Frankreich lebten "problemlos" mit deutlich höheren Quoten.

Dullien warnte davor, "in den Panikmodus" zu schalten. "Es gibt keinen Grund, die Schuldenquote in den nächsten Jahre mit dem Brecheisen zurückzuführen."

cne/cax

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