Professor: Mängel in von der Leyens Arbeit schwerwiegend

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU)

Die Plagiatsvorwürfe gegen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sind nach Ansicht von zwei Juraprofessoren gravierend. Er halte die "Mängel für schwerwiegender" als im Fall der deswegen zurückgetretenen früheren Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU), sagte der Berliner Juraprofessor Gerhard Dannemann der "Süddeutschen Zeitung". "Wir sprechen hier nicht von einem Grenzfall", fügte er hinzu.

Dannemann gehört zum Team der Internetplattform Vroniplag Wiki, die die Arbeit untersucht. Demnach hat die Ministerin und stellvertretende CDU-Vorsitzende in ihrer medizinischen Doktorarbeit aus dem Jahr 1990 fremde Texte ohne saubere Kennzeichnung übernommen. Zudem seien weitere Fehler gefunden worden.

Dannemann sagte weiter: "Die Häufigkeit und leichte Vermeidbarkeit der Fehler spricht für grobes Schlampen." Er sprach von einem "Muster in der Arbeitsweise".

Auch der Plagiatsexperte Volker Rieble bewertet das Vorgehen von der Leyens als "eindeutiges Plagiat". Er sagte dem Blatt, oberhalb einer Bagatellgrenze sei es egal, ob es sich um einen schweren oder nur mittelschweren Plagiatsfall handele.

Von der Leyen hatte die Plagiatsvorwürfe am Wochenende zurückgewiesen. Nach ihren Angaben hat sie die Medizinische Hochschule Hannover bereits im August um eine Prüfung ihrer Arbeit gebeten.

Rückendeckung erhielt von der Leyen von CDU-Politikern. Parteivize Thomas Strobl sagte der "Rheinischen Post": "Die Menschen interessiert, wie wir aktuelle Probleme lösen und Herausforderungen angehen. Im Moment steht anderes im Mittelpunkt als irgendwelche Plagiatsvorwürfe." Der Mittelstands-Politiker Christian von Stetten mahnte im selben Blatt, dass auch für die Ministerin die Unschuldsvermutung gelte.

Über Plagiatsvorwürfe waren in den vergangenen Jahren mehrere Politiker gestürzt, unter anderem Schavan und der frühere CSU-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg. In anderen Fällen waren die Vorwürfe in Prüfungen durch die jeweiligen Hochschulen entkräftet worden - so beim heutigen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und bei Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).