Prognosen: Biden gewinnt Vorwahl in mindestens acht Bundesstaaten

Konnte sich nach ersten Auszählungen in Virgina durchsetzen: Joe Biden.

Es ist eine überraschende Aufholjagd, die Joe Biden im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidatur am «Super Tuesday» hinlegt. Doch noch liegen nicht alle Ergebnisse vor.

Washington (dpa) - Im US-Präsidentschaftsrennen der Demokraten hat der frühere US-Vizepräsident Joe Biden bei den Vorwahlen am «Super Tuesday» eine unerwartete Siegesserie hingelegt.

Nach Prognosen von TV-Sendern über den Ausgang von zunächst elf Vorwahlen gewann der moderate Kandidat in den Bundesstaaten North Carolina, Virginia, Alabama, Tennessee, Oklahoma, Minnesota, Arkansas und Massachusetts. Dem linken Senator Bernie Sanders sagen Fernsehsender drei Siege voraus: In seinem Heimat-Bundesstaat Vermont, in Colorado und in Utah.

Biden zeigte sich am Dienstagabend vor Anhängern siegessicher. "Erst vor wenigen Tagen haben die Presse und die Experten diesen Wahlkampf für tot erklärt", sagte er in Los Angeles. "Wir sind sehr lebendig!" Biden fügte hinzu: "Wir sind besser als dieser Präsident. Also steht wieder auf und holt Euch das Land zurück."

Alle blicken nach Kalifornien

Nach ersten Berechnungen liegt Sanders im wichtigsten Bundesstaat Kalifornien vorne. Der Sender Fox News ging schon so weit, den 78-Jährigen zum Gewinner in dem Staat an der Westküste zu erklären. Die Sender CNN und CBS berichteten zurückhaltender über eine Führung Sanders. Sollte sich dessen Sieg bestätigen, wäre das ein wichtiger Erfolg für den Senator aus Vermont. In Kalifornien geht es um 415 Delegiertenstimmen

“Super Tuesday” richtungsweisend für US-Demokraten

Bei drei Bundesstaaten - darunter den beiden Schwergewichten Kalifornien und Texas - liegen zunächst keine Prognosen über einen Sieger vor. Mit Abstimmungen in 14 Bundesstaaten ist der «Super Tuesday» der wichtigste Tag im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten auf der Suche nach einem Herausforderer für Amtsinhaber Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November.

Grafik-Karte Nr. 100671, Querformat 135 x 95 mm, In welchen Bundesstaaten der Super Tuesday stattfindet; Grafik: C. Goldammer; Redaktion: J. Schneider

Beim «Super Tuesday» geht es insgesamt um die Stimmen von 1344 Delegierten für den Nominierungsparteitag der Demokraten im Sommer. Das ist mehr als ein Drittel aller regulären Parteitagsdelegierten.

Allein in Kalifornien geht es um 415 Delegierte, in Texas um 228. Für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat beim Parteitag in Milwaukee (Wisconsin) im Sommer braucht ein Bewerber 1991 von 3979 regulären Delegierten.

Trump bei den Republikanern konkurrenzlos

Trump hat innerhalb seiner Partei keine ernstzunehmende Konkurrenz. Die Republikaner haben daher in mehreren Bundesstaaten ihre Vorwahlen abgesagt. Am Dienstag hielten sie aber auch in fast allen «Super Tuesday»-Staaten Vorwahlen ab. Bis auf in Kalifornien - wo zunächst keine Ergebnisse vorlagen - erklärte Trump sich in allen Bundesstaaten zum Sieger.

Vor dem «Super Tuesday» hatte Sanders bei den Demokraten nach vier Vorwahlen in Führung gelegen. Auch in nationalen Umfragen steht der 78-Jährige an der Spitze. Zuletzt hatte am Samstag allerdings Biden (77) im südlichen Bundesstaat South Carolina deutlich gewonnen. Am Abend vor dem «Super Tuesday» hatte Biden zudem einen kräftigen Schub bekommen: Die ausgeschiedenen demokratischen Präsidentschaftsbewerber Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Beto O'Rourke riefen ihre Anhänger dazu auf, seine Kandidatur zu unterstützen.

Enttäuschungen für Bloomberg und Warren

Keine großen Erfolge konnte am "Super Tuesday" der frühere Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, verbuchen. Er war spät ins Rennen um die Präsidentschaftskandidatur eingestiegen und stand am Dienstag erstmals auf den Wahlzetteln. Nach den zunächst vorliegenden Prognosen konnte der Multimilliardär trotz einer gigantischen Werbeoffensive keinen einzigen Bundesstaat gewinnen.

Bloomberg siegte Prognosen zufolge lediglich im US-Außengebiet Amerikanisch-Samoa. Der 78-Jährige lag in mehreren Bundesstaaten allerdings oberhalb der Schwelle von 15 Prozent der Stimmen. Damit - und mit einem Erfolg in Amerikanisch-Samoa - kann er sich einzelne Delegiertenstimmen sichern. Trump spottete auf Twitter, "Mini Mike" Bloomberg sei der "größte Verlierer" des Abends. Er habe Hunderte Millionen Dollar verschwendet und nichts als die "komplette Zerstörung seines Rufes" erreicht.

Eine herbe Niederlage musste die Senatorin Elizabeth Warren (70) einstecken: Sie kam in ihrem Heimat-Bundesstaat Massachusetts nach Prognosen nur auf Platz drei. Die fünfte Bewerberin um das Präsidentschaftsrennen der Demokraten - die Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard (38) - spielte am "Super Tuesday" keine Rolle.

Vorwahlen noch bis Juni

Nach dem «Super Tuesday» wird noch nicht entschieden sein, welcher Bewerber die Nominierung gewinnt. Die Abstimmungen sind dennoch enorm wichtig, da ein Bewerber sich klar vom Rest absetzen und dies seine Nominierung deutlich wahrscheinlicher machen könnte. Zudem haben die demokratischen Anwärter die Möglichkeit zu zeigen, ob sie - bei der Abstimmung in einer Vielzahl von Staaten mit sehr vielfältiger Bevölkerung - eine breite Wählerschaft ansprechen können.

Die Vorwahlen ziehen sich insgesamt noch bis Juni hin, bevor die Nominierungsparteitage der Parteien anstehen. Die Republikaner werden im August formell Trump zu ihrem Präsidentschaftskandidaten küren.