Promiumfrage: Ist die Mauer auch in den Köpfen gefallen?

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Frederick Lau findet den Osten "feiertechnisch auf jeden Fall angesagter" (Bild: imago images/Stephan Wallocha)

Am 9. November 1989 fiel in Berlin die Mauer. Ein Jahr später war Deutschland wiedervereint. Doch wie steht es heute 30 Jahre nach dem Mauerfall um Ost und West? Sind wir wirklich eine Einheit? Die Nachrichtenagentur spot on news hat bei den Promis nachgefragt.

"Man sieht die Narben"

Meret Becker (50, Bremen): "Es ist erstaunlich, wie lange es braucht, um zusammenzuwachsen. Schließlich ist die Mauer schon länger weg als sie dastand. Dass es nicht so funktioniert, hat vielleicht etwas mit unserem Land zu tun, mit der Mentalität, mit der Geschichte unseres Landes definitiv. Es hat viel mit dem Krieg davor zu tun und natürlich mit Kapitalismus. Denn Kapitalismus ist definitiv keine gute Sache - Demokratie ja, aber Kapitalismus nein. Er ist kein Menschenfreund und dieser Tatsache fallen viele zum Opfer. In Berlin ist es hingegen ganz gut zusammengewachsen. Liegt vielleicht auch daran, dass es vorher eine Stadt war und jetzt wieder eine Stadt ist. Aber man sieht, dass Berlin zerteilt war und man sieht die Narben. Und das hat Charme.

Klaas Heufer-Umlauf (36, Oldenburg): "Man hat nach der Einheit viele Landstriche und Grenzstädte in Ostdeutschland vernachlässigt und sich nicht genug um Strukturen gekümmert, das hätte man besser machen müssen. Deswegen fühlen sich dort einige Menschen bis heute nicht wohl und zurückgelassen, was ich gut nachvollziehen kann. Die Frustration ist echt und berechtigt. Dennoch merke ich persönlich, zumindest in meinem Umfeld, dass in den nachfolgenden Generationen eine Ost- oder West-Herkunft im Alltag mittlerweile ziemlich egal ist."

Nicole (55, Saarbrücken): "Meines Wissens ist die Arbeitslosenquote im Osten höher und das Einkommen niedriger. Da muss man noch etwas bewegen, um die wirtschaftlichen Unterschiede auszugleichen."

"Der Osten ist angesagter"

Frederick Lau (30, Steglitz, Berlin): "In Berlin auf jeden Fall. Was mir aber bis heute auffällt: Die Ost-Berliner sind um einiges netter und kommunikativer als wir West-Berliner. Wir sind da eher ein bisschen biederer (lacht). Und feiertechnisch ist der Osten auf jeden Fall angesagter."

Wolfgang Lippert (67, Kaulsdorf, Berlin): "Natürlich, aber ein paar Dinge sind noch wenig befriedigend, z.B. dass es nur 1 bis 3 Prozent Entscheider mit Ost-Hintergrund in Führungspositionen gibt, und das bei einem Bevölkerungsanteil von 17 Prozent."

"Es braucht noch mindestens ein oder zwei Generationen"

Janin Ullmann (37, Erfurt): "Das ist eine große Frage. Leider glaube ich, dass das mit der wirklichen Einheit trotz der 30 Jahre noch eine Weile dauern wird. Es gibt immer noch zu viele Vorurteile in den Köpfen, viele waren noch nie in ihrem Leben in Erfurt, Dresden, oder Leipzig und haben auch kein Interesse daran. Ich habe vor einer Weile mal einen Berliner kennengelernt, der noch nie auf der Ostberliner Seite war. Im Gegensatz dazu fühlen sich einige Menschen, die in der DDR gelebt und gearbeitet haben, abgehängt und nicht gesehen. Ich glaube, es braucht noch mindestens ein oder zwei Generationen bis die Mauer auch in den Köpfen gefallen ist."

Howard Carpendale (73, Durban, Südafrika): "Auch Europa ist keine Einheit. Menschen sind da komisch. Sie brauchen viel länger Zeit. Wir tendieren oft dazu, Dinge zu schnell verändern zu wollen. Es muss aber nicht immer alles zu unseren Lebzeiten passieren."