Protest gegen AfD-Parteitag in Köln: Kölsche Allianz trommelt für bunte Vielfalt

Karnevalisten rufen zur Kundgebung am 22. April im Grüngürtel auf.

Die Pfauenfedern stehen für Unsterblichkeit, der Dreschflegel für die Wehrhaftigkeit – der kölsche Boor ist nicht nur eine Figur des Dreigestirns, er steht auch für eine stolze Stadt, die sich zu verteidigen weiß.

Nun wird der Kölner Bauer zum Zeichen der Kundgebung der Kölner Karnevalisten für Vielfalt und Toleranz. Mit der Figur verbindet sich die Botschaft, die schon mal Sessionsmotto war: „Mir all sin Kölle“. Während sich im Maritim-Hotel die AfD am 22. April zum Bundesparteitag trifft, wollen Tausende im Grüngürtel zwischen Aachener und Vogelsanger Straße ein buntes Fest feiern.

Politisch wird es auf jeden Fall

Politiker dürfen nicht auftreten, aber politisch wird es trotzdem zugehen. Der neue Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn spricht gar von einem „kleinen, kölschen Woodstock“. Mit kölschen Bands und Rednern aus dem Fastelovend werde man das „bunte Köln“ präsentieren. Folgerichtig habe man den Karnevalsgesellschaften ausdrücklich das Tragen von Kostümen und Uniformen erlaubt.

Sommerkarneval als Polit-Kundgebung? Das Festkomitee – sonst sehr kritisch, wenn es um karnevalistische Aktivitäten außerhalb der Session geht – zeigt sich ganz souverän: „Natürlich instrumentalisieren wir den Karneval“, sagt Kuckelkorn ehrlich. Aber der Anlass rechtfertige einen „außergewöhnlichen Schritt“. Man wolle und könne so Leute erreichen, die vielleicht noch nie auf einer politischen Kundgebung waren.

Kölsche Top-Bands wollen politisches Statement setzen

Vertreter der kölschen Top-Bands zeigten sich begeistert von der bislang nicht gekannten Konstellation. „Es macht mich stolz, dass so was möglich ist“, sagt Peter Brings. Ein solches „politisches Statement“ habe man den Karnevalisten nicht zugetraut. In Köln werde die bürgerliche Mitte nicht von der AfD abgeholt. „Wir schunkeln an der Politik nicht vorbei“, so Bömmel Lückerath von den Bläck Fööss. Henning Krautmacher von den Höhnern oder Ena Schwiers von Kasalla berichteten, dass auch sie vor allem über soziale Medien im Internet mit rechtspopulistischen Parolen konfrontiert würden. „Deshalb ist es wichtig, Farbe zu bekennen und zu zeigen, wo man steht.“

Die Musiker, von denen die meisten auch bei „Arsch huh“ mitmachen, hatten die Aktivitäten der Karnevalisten in Gang gebracht. Das Gefühl, im Maritim bei Karnevalssitzungen auf der selben Bühne zu stehen, auf der bald menschenfeindliche Parolen verkündet würden, sei unerträglich gewesen.

„Maritim nicht aufgeben“

So wunderte sich mancher Beobachter, dass FK-Präsident Kuckelkorn zur Vorstellung der Aktivitäten am 22. April ausgerechnet ins Bellevue-Restaurant des Maritim eingeladen hatte. Man habe zeigen wollen, dass „wir diesen Ort nicht aufgeben und weiter in Anspruch nehmen“, so Kuckelkorn. Die Künstler ließen sich von der Ortswahl nicht beeindrucken. Es sei „unerträglich“, dass das Hotel mit dem AfD-Parteitag Geld verdiene, so Brings.

Man werde genau hinschauen, wie sich das Hotel in Zukunft verhalte oder ob es nur mit „Lippenbekenntnissen“ auf die Proteste reagiere, so Krautmacher. Sigrid Krebs vom Festkomitee sagte, die letzten Äußerungen des Maritim würden belegen, dass das Hotel die „Lektion verstanden hat“.

Protest soll an mehreren Orten in der Stadt stattfinden

Die Veranstaltung der Karnevalisten am Samstag, 22. April, ab 14 Uhr im Grüngürtel ist eine von mehreren Kundgebungen anlässlich des AfD-Parteitags. Vor allem weil sich das Zielpublikum unterscheide, habe man sich nicht den Aktivitäten von „Köln stellt sich quer“ in der Innenstadt angeschlossen. Man wolle ein Fest für Familien machen und habe deshalb nicht ins Zentrum gewollt, so Kuckelkorn. „Da könnte es vielleicht rumpelig zugehen.“ Man sei in engem Austausch, Köln könne als Millionenstadt mehrere Orte und Formendes Protestes vertragen.

Neben dem breiten Bündnis „Köln stellt sich quer“ mit der AG Arsch huh, Gewerkschaften, Kirchen, Parteien und vielen Initiativen planen das linke Bündnis „Köln gegen rechts“ sowie eine Initiative aus dem Umfeld von Südstadtwirten und der KG Ponyhof Demonstrationen in der Innenstadt. Noch ist nicht ganz klar, wer wohin darf. Alle haben den Heumarkt als Kundgebungsort angemeldet. (fra)...Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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