Proteste in Katalonien - Festnahmen und Verletzte

Die katalanische Unabhängigkeitsbewegung hat ihre Proteste gegen die harten Gerichtsurteile für neun Separatistenführer fortgesetzt. In fünf Städten der Region im Nordosten Spaniens beteiligten sich zahlreiche Bürger an "Märschen für die Freiheit", die am Freitag in Barcelona zusammentreffen sollen. Dabei blieb es zunächst friedlich.

In den vergangenen Tagen war es in Barcelona und anderen Orten zu gewalttätigen Aktionen und schweren Zusammenstößen mit der Polizei gekommen.

Allein in der Nacht zum Mittwoch sind in Barcelona 51 Menschen festgenommen und mindestens 125 verletzt worden, berichtet das spanische Fernsehen. Unter den Verletzten waren auch zahlreiche Polizisten. Teils vermummte Demonstranten setzten unter anderem Barrikaden in Brand und warfen Böller und Flaschen auf die Sicherheitskräfte.

Dazu der politische Analyst Carlos Carnicero, im Gespräch mit euronews:

"Wir sehen, wie die Demonstrationen immer gewalttätiger werden. Sie werden von einer Gruppe namens "Demokratischer Tsunami" angeführt und es ist nicht ganz klar, wer hinter ihnen steht. Es ist allerdings wahr, dass sie wie ein Tsunami agieren, denn gestern Abend haben wir Barcelona in Flammen gesehen. Es ist beunruhigend zu sehen, wie ein katalanischer Präsident Gewalt nicht verurteilt und sagt, sie haben das Recht friedlich zu demonstrieren".

Die vom Obersten Gericht in Madrid wegen Aufruhrs zu langjährigen Haftstrafen verurteilten Separatistenführer distanzierten sich in sozialen Netzwerken von der Gewalt. Der ehemalige Vize-Regionalchef Oriol Junqueras, der 13 Jahre Haft bekam, schrieb auf Twitter, er "unterstütze die friedlichen Märsche, sei aber gegen die Gewalt".

Die spanische Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez verurteilte die Krawalle scharf. Sánchez hat sich in Madrid unter anderen auch mit dem Chef der konservativen Oppositionspartei "PP", Pablo Casado getroffen, um über die Situation zu beraten:

"Die katalanische Gesellschaft ist eine multikulturelle Gesellschaft. Die Unterstützung der Unabhängigkeit wird den Umfragen zufolge derzeit von rund 44 % der katalanischen Bevölkerung getragen. Wir müssen verstehen, dass es hier nicht so sehr um das katalanische Volk gegen den Rest Spaniens geht. Hier geht es um die katalanische Gesellschaft. Die katalanische Gesellschaft ist vielschichtig. Einige Menschen sind für die Unabhängigkeit, aber sie sind nicht einmal in der Mehrheit".