Prozess in Berlin: Mutmaßlicher Taliban-Kämpfer zieht Geständnis zurück

Der Mann sagt nun, er habe die Unwahrheit gesagt, um Asyl zu bekommen. Dann sei ihm klar geworden, dass ihm eine hohe Strafe droht.

Vielleicht gab es tatsächlich den Plan, mit einem falschen Geständnis einer Abschiebung vorzubeugen. Und dem Angeklagten ist später klar geworden, dass ihm für seine Taten eine hohe Strafe droht: Wajid S., mutmaßlicher Taliban-Kämpfer aus Afghanistan, hat am Mittwoch vor dem 3. Strafsenat des Kammergerichts seine bisherige Geständnisse zurückgezogen. "Ich war niemals Taliban und habe nie an Kampfhandlungen teilgenommen", hieß es in einer Erklärung, die sein Verteidiger Daniel Sprafke verlas. Schlepper hätten ihm geraten, sich eine "Geschichte mit Lebensgefahr" auszudenken und sich jünger zu machen.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem 29-Jährigen Mitgliedschaft in der terroristischen Taliban-Vereinigung und versuchten Mord vor. Er soll sich an Kampfeinsätzen der Taliban beteiligt, mit anderen Kämpfern eine Polizeisperre in Afghanistan angegriffen und mit einer Kalaschnikow auf Polizisten geschossen haben.

Die Anklage stützt sich fast ausschließlich auf Aussagen des Angeklagten. Wajid S., der im September aus Afghanistan quer durch Europa nach Deutschland floh, hatte sich bei einer Vernehmung durch Mitarbeiter des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) der angeklagten Taten selbst beschuldigt. Das wiederholte er bei Vernehmungen durch die Polizei. Seit Oktober 2016 sitzt er in Untersuchungshaft. Beim Haftrichter, inzwischen gab es einen Anwalt, hatte er geschwiegen. Vor dem Kammergericht nun die ganz andere Variante: Es sei alles ausgedacht. "Ich habe mich zu keiner Zeit r...

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