Prozess gegen 38-Jährigen wegen Mordes an Ehefrau in Linienbus begonnen

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Justitia

Im Fall einer vor den Augen anderer Fahrgäste in einem Linienbus von ihrem Mann erstochenen vierfachen Mutter hat am Dienstag der Mordprozess vor dem Landgericht Kempten begonnen. Der angeklagte 38-jährige Mohammad Salih M. verweigerte zu Prozessbeginn die Aussage, wie ein Gerichtssprecher sagte. Als Motiv nimmt die Staatsanwaltschaft an, dass sich der aus Afghanistan stammende Mann in seinem Ansehen beschädigt sah, weil seine Frau ein polizeiliches Kontaktverbot gegen ihn erwirkt hatte.

Der Mordattacke im Juli vergangenen Jahres ging laut Anklage ein gewalttätiger Übergriff des 38-Jährigen auf seine Tochter und seine Frau im November 2019 voraus. Weil die Tochter verspätet nach Hause gekommen war, soll er zunächst die Tochter attackiert haben. Als seine Frau sich schützend vor ihr Kind stellte, soll er auch sie attackiert und dann ihre Ermordung angedroht haben.

Noch am selben Tag erwirkte die Frau einen Platzverweis gegen ihren Mann, der danach wieder in eine Flüchtlingsunterkunft zog. Drei Monate später erwirkte die Frau nach weiteren Drohungen einen richterlichen Beschluss, der ihrem Mann eine Annäherung in einem Umkreis von hundert Metern vom Wohnsitz und eine Kontaktaufnahme untersagte.

M. soll sich laut Anklage daran gestört haben, dass er nun seine Rolle als Familienoberhaupt nicht mehr aufrecht erhalten konnte und deswegen seiner Meinung nach in der afghanischen Gemeinde in Obergünzburg an Ansehen verlor. Deshalb soll er sich zum Mord entschieden haben.

Wie die Staatsanwaltschaft ermittelte, stieg M. am Tattag gezielt in den hinteren Bereich in einen Bus zu, den seine Frau auf dem Rückweg von ihrem Deutschkurs nehmen musste. Nachdem seine arglose Frau den Halteknopf gedrückt und sich vor dem geplanten Aussteigen noch kurz hinter den Busfahrer gesetzt hatte, soll er mit einem Küchenmesser elf Mal im Bereich von Kopf, Brust, Rücken und Oberarm auf sie eingestochen haben.

Die Frau starb nach einem Stich ins Herz. Andere Fahrgäste aus dem Bus mussten in der Folge der Attacke psychologisch betreut werden.

ran/cfm