Prozess gegen Amokfahrer von Toronto begonnen

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Überlebendes Opfer Cathy Riddell vor dem Gericht in Toronto
Überlebendes Opfer Cathy Riddell vor dem Gericht in Toronto

Mehr als zweieinhalb Jahre nach der blutigen Amokfahrt in Toronto hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Zum Auftakt des per Videokonferenz stattfindenden Verfahrens vor dem Gericht der Provinz Ontario plädierte Alek Minassian am Dienstag (Ortszeit) auf Unzurechnungsfähigkeit. Der inzwischen 28-Jährige ist des Mordes in zehn Fällen und versuchten Mordes in 16 Fällen angeklagt. Er hatte nach der Tat angegeben, aus Wut auf Frauen gehandelt zu haben.

Alek Minassian hatte am 23. April einen gemieteten Lieferwagen mit voller Geschwindigkeit auf einen Gehweg im Zentrum von Kanadas zweitgrößter Stadt gelenkt. Acht Frauen und zwei Männer im Alter zwischen 22 und 94 Jahren wurden getötet und 16 weitere Menschen verletzt, als er auf einer Strecke von 2,1 Kilometern über den Bürgersteig raste. 

Er wurde sieben Minuten nach Eingang des ersten Notrufs vor seinem demolierten Lieferwagen festgenommen. Auf Videoaufnahmen von damals wirkte er verwirrt. Er sagte der Polizei, er hätte das Blutbad fortgesetzt, hätte ihm ein auf der Windschutzscheibe verspritztes Getränk nicht die Sicht genommen.

Da Minassian die Tat gestanden hat, geht es in dem auf rund vier Wochen angesetzten Prozess in erster Linie um seinen Geisteszustand und die Frage, ob er strafrechtlich verantwortlich ist. Kanadischen Medienberichten zufolge leidet der 28-Jährige am Asperger-Syndrom - einer autistischen Entwicklungsstörung, die unter anderem mit eingeschränktem Einfühlungsvermögen und mangelnder sozialer Kompetenz einhergeht. 

Im mehrstündigen Polizeiverhör nach seiner Festnahme gab Minassian an, sich ab 2013 nach für ihn als demütigend empfundenen Zurückweisungen durch junge Frauen zunehmend zum Frauenhasser entwickelt zu haben. Er trat nach eigenen Angaben der Online-Szene "Incel" ein, einer Bewegung heterosexueller Männer, die nach eigenen Angaben unfreiwillig sexuell enthaltsam und deshalb frustriert sind und ihre Frauenfeindlichkeit oftmals mit Gewaltfantasien verknüpfen.

Minassian sagte aus, er habe mit seinem Amoklauf auf das Schicksal dieser "Incels" ("involuntarily celibate") aufmerksam machen wollen. Sein Plan war es demnach, sich bei der Festnahme von der Polizei töten zu lassen; doch stattdessen behielt der Sicherheitsbeamte die Nerven und führte den Mann ab.

ans/mkü