Prozess gegen mutmaßliche IS-Sympathisantin in Rheinland-Pfalz begonnen

Vor dem Oberlandesgericht im rheinland-pfälzischen Koblenz hat am Mittwoch der Prozess gegen eine mutmaßliche IS-Sympathisantin begonnen. Die Anklage wirft der 37-Jährigen vor, Mitglied der terroristischen Vereinigung gewesen zu sein. Zudem muss sie sich unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Versklavung eines Menschen, Beihilfe zum Völkermord und Kriegsverbrechen verantworten.

Sie soll zwischen Dezember 2014 und März 2019 Mitglied der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gewesen sein. Mit ihrem nach islamischen Ritus verheirateten Mann soll sie im Dezember 2014 nach Syrien gereist sein, um sich dem IS anzuschließen. 2015 sei das Paar nach Mossul in den Irak gezogen. Der Mann habe für den IS als Arzt gearbeitet, während die heute 37-Jährige ihn durch das Führen des Haushalts und die Erziehung der 2015 und 2018 geborenen Töchter im Sinne des IS unterstützt haben soll.

Das Paar soll in Mossul ein Haus bewohnt haben, deren rechtmäßige Bewohner vor dem IS geflohen oder vertrieben worden waren. Darin sollen die Frau und der Mann eine große Menge an Sprengstoff und Waffen gelagert haben. Als Aufnahmestelle für alleinstehende weibliche Mitglieder des IS sollen sie für die Beherbergung und Verpflegung gesorgt und die Frauen bei Hochzeitungen oder Scheidungen unterstützt haben.

Ab April 2016 sollen beide eine jesidische Frau als Sklavin gehalten haben, die sich mutmaßlich seit 2014 in Gefangenschaft des IS befand. Diese sollen sie an ihren Wohnorten im Irak und in Syrien zur Hausarbeit gezwungen und sie wie Eigentum behandelt haben. Mit Wissen der Angeklagten soll der Mann sie regelmäßig vergewaltigt und geschlagen haben.

Die 37-Jährige habe überwacht, dass die Sklavin nicht fliehen konnte. Das Paar habe die Frau gezwungen, nach dem islamischen Ritus zu beten oder die Fastenzeiten des Ramadan einzuhalten. Damit hätten sie das Ziel des IS unterstützt, den jesidischen Glauben zu vernichten.

Im März 2019 soll die Familie mit der Sklavin bei einem Fluchtversuch durch kurdische Kräfte festgenommen worden sein. Erst zu diesem Zeitpunkt soll der Mann der Sklavin gesagt haben, dass diese nun "frei" sei. Die Jesidin leide bis heute unter den erlittenen Qualen.

Bei ihrer Wiedereinreise nach Deutschland wurde die 37-Jährige im März 2022 festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Bis Anfang März sind noch 13 weitere Termine angesetzt.

ald/cfm