Prozess in Köln: Patientin randaliert und pöbelt in Arztpraxis

43-jähriger Angeklagter war nur eingeschränkt schuldfähig.

Berta D. (Name geändert) hat Krebs und leidet seit der Diagnose an einer Angstdepression. Die 68 Jahre alte Rentnerin hat in ihrem Leben noch nie mit der Justiz zu tun gehabt. Alles gute Gründe für ihren Rechtsbeistand, am Dienstag beim Strafgericht schon vor Prozessauftakt um eine Verfahrenseinstellung zu bitten. Im Saal 217 saß Berta D. auf der Anklagebank.

Beleidigung und Körperverletzung warf die Anklage ihr vor. Die Nervosität war der Angeklagten anzumerken, als sie neben ihrem Anwalt Platz nahm, zumal der Prozess erst nach stundenlanger Verzögerung aufgerufen wurde.

Rentnerin randalierte und pöbelte in der Praxis

Die Rentnerin soll in der neurologischen Praxis, in der sie schon länger betreut wurde, randaliert haben und gegenüber dem Personal verbal und körperlich ausfallend geworden sein. Weil sie mit einer ärztlichen Bescheinigung nicht einverstanden war, habe sie die Arzthelferin als „blöde Kuh“ bezeichnet.

Gegen das daraufhin verhängte Hausverbot widersetzte sie sich, nahm trotz Verbots im Wartezimmer Platz und konnte nur mit vereinten Kräften aus dem Raum entfernt werden. Bei der Rangelei soll sie die Arzthelferin geschubst und aufs Übelste beleidigt haben, so die Anklage weiter.

Aus Sicht der Rentnerin war der Ablauf des Geschehens allerdings ein völlig anderer. Weil sie wusste, dass die Ärztin ihre Praxis in absehbarer Zeit aufgeben wollte, hatte sich Berta D. schon Wochen zuvor einen neuen Arzt gesucht, der um einen Abschlussbericht seiner Vorgängerin gebeten habe. Diese Papiere habe sie abholen wollen, doch die ärztliche Dokumentation sei unvollständig gewesen.

„Ich wollte doch nur, dass der neue Neurologe meine komplette Krankengeschichte erfährt“, verteidigte sich die Rentnerin. Die üblen Beschimpfungen seien ihr keineswegs über die Lippen gekommen: „Wo denken Sie denn hin?“

Auf Zeugenvernehmung wurde verzichtet

Die wiederholte und mit Nachdruck gestellte Bitte des Verteidigers, angesichts der schweren Erkrankung seiner Mandantin im Wortsinne mit einer Verfahrenseinstellung kurzen Prozess zu machen und auf jegliche Zeugenvernehmung zu verzichten, stießen sowohl bei der Anklägerin als auch bei Gericht auf Verständnis.

Zumal die Richterin davon überzeugt war: „Es ist nicht der schlimmste Vorwurf der Welt. Übler als die Rangelei ist ohnehin die Beleidigung.“

Zahlt die Rentnerin nun 100 Euro an ein Kinderheim in Bensberg, werden die Akten ohne Urteil geschlossen. Auf die Vernehmung der Arzthelferin, die draußen vor der Tür des Gerichtssaals stand, wurde im allseitigen Einverständnis verzichtet....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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