Prozess um Anschläge in Katalonien mit 16 Toten und 140 Verletzten eröffnet

Alvaro VILLALOBOS
·Lesedauer: 3 Min.
Polizisten in Barcelona nach dem Anschlag im Jahr 2017
Polizisten in Barcelona nach dem Anschlag im Jahr 2017

In Spanien hat am Dienstag der Prozess gegen drei mutmaßliche Helfer der islamistischen Attentäter von Barcelona und einer weiteren katalanischen Stadt im Jahr 2017 begonnen. Zwei der Angeklagten müssen sich unter anderem wegen der Mitgliedschaft in einer dschihadistischen Gruppe verantworten, alle drei müssen mit langjährigen Haftstrafen rechnen. Bei den von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierten Anschlägen waren 16 Menschen getötet und 140 verletzt worden. In Barcelona war ein Attentäter damals mit einem Lieferwagen auf dem Boulevard Las Ramblas in die Menschenmenge gerast.

Der Prozess findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen in San Fernando de Henares im Osten von Madrid statt. Bis zum 16. Dezember sollen 235 Zeugen vernommen werden. Dem 23-jährigen Hauptangeklagten Mohamed Houli Chemlal werden unter anderem Mitgliedschaft in einer Terrororganisation sowie die Herstellung und der Besitz von Sprengstoff zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft forderte für ihn eine Haftstrafe von 41 Jahren. Chemlal zeigte sich zur Prozesseröffnung reuig und versicherte, er werde zur "Aufklärung" beitragen. 

Im Polizeiverhör hatte Chemlal gesagt, die ursprünglichen Attentatspläne seien noch viel weitgehender gewesen und hätten sich auch auf die berühmte Kathedrale Sagrada Familia in Barcelona erstreckt. In den beschlagnahmten Unterlagen fanden sich auch Unterlagen, die auf mögliche Anschlagspläne auf das Stadion des FC Barcelona oder den Pariser Eiffelturm hindeuteten. Die Pläne wurden aber durch eine ungewollte, vorzeitige Explosion von Sprengstoff unmöglich gemacht.

Der 31-jähriger mitangeklagte Marokkaner Driss Oukabir soll nach den Forderungen der Klagevertretung für 36 Jahre in Haft. Ihm werden dieselben Vergehen wie dem Hauptangeklagten zur Last gelegt. Er hatte den Lieferwagen gemietet, mit dem bei dem Anschlag auf den Ramblas im Zentrum von Barcelona 14 Menschen getötet wurden. 

Oukabir versicherte, er habe "keine Verbindung" zu der dschihadistischen Zelle gehabt, sein Bruder habe ihn gebeten, den Lieferwagen für einen Umzug zu mieten. Der dritte Angeklagte muss mit acht Jahren Haft rechnen, weil er den Attentätern ein Fahrzeug und Dokumente geliehen hatte. Auch er sagte aus, über die Anschlagspläne nicht informiert gewesen zu sein. Wenn diese Angeklagten nicht persönlich an den Anschlägen beteiligt gewesen seien, so heiße das noch nicht, "dass sie nicht bestraft werden können", sagte der Vertreter der Vereinigung von Terror-Opfern, Antonio Guerrero.

Am 17. August 2017 war der islamistische Attentäter Younes Abouyaaqoub, ein 22-jähriger Marokkaner, mit dem Lieferwagen in die Menschenmenge auf der Flaniermeile in Barcelona gerast. Unter den Toten waren zwei Kinder im Alter von drei und sieben Jahren sowie viel ausländische Touristen. Auf der Flucht tötete Abouyaaqoub einen weiteren Menschen, bevor er Tage später von der Polizei erschossen wurde. Am Tag nach dem Anschlag überfuhren fünf weitere mutmaßliche Islamisten im Badeort Cambrils mehrere Passanten, verletzten sie und erstachen eine Frau. Auch diese Angreifer wurden von der Polizei erschossen.

Die Anschläge vom 17. und 18. August 2017 wurden offenbar überstürzt verübt, nachdem am Vorabend der marokkanische Imam Abdelbaki Es Satty bei der versehentlich ausgelösten Explosion ums Leben gekommen war. Satty hatte die Attentäter laut den Ermittlungen radikalisiert.

ao/cp