Der Psychedelika-Markt boomt: Wie Unternehmen und Investoren nun alles daransetzen, dass Magic Mushrooms und MDMA in den USA als Arzneimittel zugelassen werden

Werden Psilocybin-Pilze bald als Arzneimittel zugelassen?
Werden Psilocybin-Pilze bald als Arzneimittel zugelassen?

Der Hype rund um psychoaktive Drogen nimmt nicht ab – im Gegenteil. Die Forschung an Substanzen wie Psilocybin, dem Wirkstoff in „Magic Mushrooms“, und MDMA hat nach jahrzehntelanger Pause in den vergangenen Jahren erst richtig Fahrt aufgenommen – zumindest in den USA. Dort setzen sich diverse Startups kräftig dafür ein, dass die psychedelischen Drogen bald als Arzneimittel angesehen werden und ihr Therapiepotenzial entfalten können. Und das scheinbar nicht ohne Erfolg: Bald könnte es eine Zulassung der psychedelischen Behandlungen durch die FDA geben.

Im Zuge dessen feilen die ersten Unternehmen schon an ihren Patentstrategien, um sich ihren Marktanteil zu sichern. Eine derartige Entwicklung haben vor allem die Risikokapitalgeber ermöglicht, die Millionen US-Dollar in psychedelische Startups investiert haben – was ihrer Meinung nach als Nächstes passieren wird, erfahrt ihr hier.

Was die Experten prophezeien

Venture-Capital-Investoren stehen zweifellos im Mittelpunkt des Psychedelika-Booms. Anfang 2020 bestätigten psychedelische Startups, dass sie ein wachsendes Interesse seitens der Investoren verzeichneten, dabei sprachen sie gar von einer Art „psychedelischen Renaissance“. Es dauerte nicht lange bis VC-Firmen auftauchten, die sich voll und ganz auf Psychedelika-Unternehmen konzentrierten. Die elf größten Risikokapitalinvestoren in diesem Bereich haben in nur wenigen Jahren zusammen 139,8 Millionen Dollar in Startups investiert.

Die Investoren gaben Business Insider und Gründerszene ihre Prognosen für die kommenden Monate. Einige prophezeiten, dass immer mehr Biotech-Giganten in den Bereich einsteigen werden, wiederum andere sehen einen Boom bei Tech-Unternehmen und Kliniken als wahrscheinlich. Letztere würden die Grundlagen für die Markteinführung der Medikamente schaffen. Sie fügten allerdings hinzu, dass mit Komplikationen und Problemen gerechnet werden müsse.

Startup-Accelerator haben ein Auge auf die Industrie

Woven Science und Founders Factory haben gemeinsam ein Accelerator-Programm für Psychedelika-Startups auf die Beine gestellt.
Woven Science und Founders Factory haben gemeinsam ein Accelerator-Programm für Psychedelika-Startups auf die Beine gestellt.

Dass immer mehr Startup-Accelerator in den Tech-Bereichen und im Gesundheitswesen auf den Psychedelika-Zug aufspringen, ist ein klares Zeichen dafür, dass die Forschung immer mehr akzeptiert wird und gar Teil des Mainstreams wird. Zu den bekannteren Startup-Acceleratorn, die sich an den Psychedelika versuchen, gehört auch Y Combinator. Die Organisation hat mindestens vier Startups in ihr Programm aufgenommen.

Founders Factory, ein Accelerator, der bereits mit Unternehmen wie L'Oréal, Johnson & Johnson und Marks & Spencer zusammengearbeitet hat, ist ein weiterer Mainstream-Player, der ein Auge auf die 100-Milliarden-Dollar-Branche geworfen hat. Die Organisation ist kürzlich eine Partnerschaft mit dem Psychedelika-Unternehmen Woven Science eingegangen. Das Ziel: eine Handvoll Startups, die sich auf psychedelische Behandlungen konzentrieren, in der Frühphase zu unterstützen.

CEOs geben den Ton an

Florian Brand, der CEO von ATAI Life Sciences.
Florian Brand, der CEO von ATAI Life Sciences.

Viele Unternehmen sind in das Psychedelika-Universum eingetaucht, doch nur einige wenige stechen als Vorreiter hervor. Dazu gehört Atai, ein privates Unternehmen, das noch vor einigen Jahren Schlagzeilen machte, weil es Geldgeber wie Mike Novogratz und Peter Thiel für sich gewinnen konnte. Im Februar 2020 erklärte der CEO von Atai, Florian Brand, dass er sich an Pharma- und Biotech-Investoren wende, um das Unternehmen weiter wachsen zu lassen.

Im März vergangenen Jahres sammelte das Unternehmen eine Rekordsumme von 157 Millionen US-Dollar ein und trieb so die Akzeptanz der Psychedelika weiter voran. In der Zwischenzeit hat sich auf nationaler und lokaler Ebene in den USA ein wahrer Wandel vollzogen. Im November legalisierte beispielsweise der US-Staat Oregon erstmals Psilocybin für therapeutische Zwecke. Die Entscheidung genossen die Psychedelika-Verfechter allerdings mit Vorsicht.

Der Gründer von Atai, Christian Angermayer, sagte vor kurzem, dass er persönlich zwar die Entkriminalisierung unterstütze, aber glaube, dass die Legalisierung von Psychedelika einen Rückschlag für die Industrie bedeuten könnte. Die größten Psychedelika-Unternehmen erklärten Business Insider und Gründerszene, dass sie sich vor allem darauf konzentrieren, die Zulassung für ihre experimentellen Substanzen bei der nationalen FDA zu beantragen.

Obgleich die meisten Biotech-Firmen erklärt haben, dass sie sich nicht am Psilocybin-Programm von Oregon beteiligen werden, versuchen einige junge Unternehmen, die sich auf Schulungen, Kliniken, Rückzugsorte und Mikrodosierungen konzentrieren, die Chance für sich zu ergreifen. Das Unternehmen Field Trip hat im Mai beispielsweise angekündigt, dass es sich in zwei unabhängige Firmen aufteilen will. Dieser Schritt ermöglicht es Field Trip, in den Psilocybin-Markt von Oregon einzusteigen.

Der CEO von Compass Pathways, George Goldsmith, sagte Business Insider und Gründerszene kurz nach dem Börsengang des Unternehmens im letzten Herbst, er ginge davon aus, dass bis 2025 psychedelische Behandlungen auf dem Markt ihren Durchbruch erfahren würden. Brand von Atai sagte, dass es allerdings diverse Herausforderungen geben werde, bevor Behandlungen auf breiter Basis verfügbar werden, darunter etwa Skalierbarkeit und Kostenerstattung.

Die Startups sind von Investoren abhängig

Die erste Seite des Pitch Decks von Compass Pathway.
Die erste Seite des Pitch Decks von Compass Pathway.

Die Entwicklung von Medikamenten ist für die Startups sehr kostenaufwändig, daher ist Investment von außen essenziell. Wir haben drei Pitch Decks in die Finger bekommen, mit denen die erfolgreichsten Unternehmen der Branche zweistellige Millionensummen aufbringen konnten. Beckley Psytech erhielt im Jahr 2020 beeindruckende 18,6 Millionen Dollar für die Entwicklung einer Reihe neuer Behandlungsmethoden für seltene Krankheiten und psychische Erkrankungen. Compass Pathways bekam 2019 rund 80 Millionen Dollar von Investoren wie Founders Fund und schaffte damit den Sprung an die Spitze. Auch Startups, die sich auf Kliniken konzentrieren, werben um das nötige Kapital. Novamind hat mit seinem Pitch Deck beispielsweise 7,8 Millionen Dollar einnehmen können.

Einige ausgewählte Unternehmen haben sogar Unterstützung von Investoren aus dem Silicon Valley bekommen. Im Februar erhielt Mindstate Design Labs etwa eine Finanzierung in Höhe von 11,5 Millionen Dollar von der VC-Firma Initialized Capital und Investoren wie Max Hodak. Eine weitere Möglichkeit, an Kapital zu gelangen, ist der Börsengang – und es gibt inzwischen Dutzende Psychedelika-Unternehmen in den USA und Kanada, die diesen Schritt gemacht haben.

Die Top-Startups erklimmen die Spitze

Könnten psychedelische Behandlungen bald offiziell zulässig sein?
Könnten psychedelische Behandlungen bald offiziell zulässig sein?

Wenn sich der Aufwärtstrend in der Entwicklung fortsetzt, sind psychedelische Behandlungen auf Basis von Psilocybin und MDMA bald nicht mehr weit weg von der ersehnten FDA-Zulassung. Im vergangenen November veröffentlichte Compass Pathways zuletzt Versuchsdaten über Psilocybin-basierte Behandlungen von therapieresistenten Depressionen. Compass Pathways ist eine der wenigen Psychedelika-Unternehmen, das sich bereits in der Probephase solcher psychedelischen Behandlungsmethoden befindet.

Compass steht für seine aggressive Patentstrategie allerdings auch unter Beschuss. Einige kritische Stimmen bemängeln, dass die Psychedelika-Forschung traditionell ein Bereich bleiben solle, der durch offenen Ideenaustausch gekennzeichnet ist. Dem Psychedelika-Riesen wird indes vorgeworfen, er versuche, die Branche zu monopolisieren. Compass entgegnet, dass es Patente nur zum Schutz neuer Innovationen einsetze.

Dennoch sei dahingestellt, dass praktisch jedes Unternehmen, das Psychedelika als künftig zugelassene Behandlungsformen entwickelt, Patentstrategien verfolgt, um seinen Marktanteil zu schützen und Geld von Investoren zu erhalten. Patentanwälte erklärten gegenüber Business Insider, dass eine Reihe von Patentoffenlegungen über die Gewinner und Verlierer in diesem Bereich entscheiden könnten.

Auch Akademiker, Anwälte und Analysten haben Feuer gefangen

Nicht nur Investoren und junge Unternehmen stürzen sich auf die Welt der Psychedelika. Auch die Wissenschaft hat brennendes Interesse an den psychoaktiven Substanzen und veröffentlicht regelmäßig vielversprechende Studien über das Potenzial, das sie bringen.

Insbesondere wohlhabende Intellektuelle haben zur psychoaktiven Renaissance beigetragen. Demnach haben diverse renommierte Universitäten eigens psychedelische Forschungszentren eingerichtet. „Sobald die Psychedelika einen packen, lassen sie einen nicht mehr los“, sagte ein Wissenschaftler zu Business Insider und Gründerszene. Im März gaben die drei bekannten US-Universitäten Johns Hopkins University, Yale und die New York University entsprechend bekannt, dass sie künftig zusammenarbeiten, um einen Lehrplan für Psychiaterinnen und Psychiater zum Thema Psychedelika zu erstellen. Ziel sei es, den überarbeiteten Plan vom US-Akkreditierungsrat für die medizinische Ausbildung zertifizieren zu lassen. Der Plan solle dann als Leitaden für medizinischen Fakultäten im ganzen Land dienen.

Auch Anwälte und Analysten wollen ein Stück vom Kuchen. Als eine Reihe von Unternehmen an die Börse gingen, begannen demnach die Analysten der Investmentbanken, die Branche genauer im Auge zu behalten. Auch Anwälte, die sich ursprünglich auf Cannabis-Mandanten konzentrierten, haben den Sprung gewagt. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.

Dieser Artikel wurde von Lara Hansen aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.