Ein Psychologe hat 30 Jahre lang talentierte Menschen studiert — und fand eine Methode, wie jeder es schaffen kann

Annette Dönisch
Manuel Neuer

Eine Kollegin meinte kürzlich, sie wäre gerne herausragend in Karate geworden. Als Sechsjährige hatte sie ein paar Stunden Unterricht, verlor dann aber das Interesse. So geht es vielen Menschen mit Hobbys aus ihrer Kindheit. Als Erwachsene beschäftigt sie der Gedanke: Was wäre, wenn ich Ballett, Tennis oder Gitarrespielen fortgeführt hätte?

Der Psychologie-Professor K. Anders Ericsson ist der Meinung: Mit dem richtigen Training von Kindheit an kann jeder Mensch herausragend auf dem Gebiet seiner Wahl werden. Auf Talent kommt es hingegen nicht an. Eine Botschaft, die viele Menschen begeistert.

Ericsson hat 30 Jahre lang Experten erforscht — Profisportler, Virtuosen, Schachspieler. Er fragte sich: „Wie sind diese Menschen herausragend auf ihrem Gebiet geworden?“

Bewusstes Training ist der Schlüssel zum Erfolg

Seine Antwort: Sie trainierten von Kindheit an ganz bewusst. Das bedeutet nicht, dass sie einfach eine Trainingsstunde an die andere hängten.

Entscheidend war, dass sie einen Trainer hatten, der bereits Experte auf dem Gebiet war und folgende Regeln einhielt: 1. er setzte ihnen Ziele, 2. er dokumentierte ihre Fortschritte, 3. er äußerte Feedback zu möglichen Verbesserungen, 4. er setzte sie nicht unter Druck, wenn sie keine Kraft mehr hatten. Letzteres hätte sie demotiviert.

Die Kinder lernen für das Leben

Das Positive an diesem Ansatz, den Ericsson „deliberate practice“ (auf Deutsch etwa: bewusstes Training) nennt, ist: Selbst wenn die Kinder keine Weltmeister werden, lernen sie, sich selbst zu beurteilen. Und auch, dass harte Arbeit allgemein zu Erfolg führt. Mit dieser Erfahrung im Gepäck sind diese Menschen später auch im regulären Berufsleben gut aufgestellt.

Ansatz ist unter Wissenschaftlern umstritten

Für seine Behauptung, dass Menschen nicht durch Talent, sondern besondere Übung von Kindesbeinen an zu Experten werden, steht der Florida-State-Professor stark in der Kritik.

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Die meisten Wissenschaftler sind der Meinung, dass es Menschen mit unterschiedlicher Begabung gibt. Sie führen an, dass eine Kombination aus Talent und Training erfolgreich macht. Doch für Eltern von kleinen Kindern spielt diese Diskussion wohl keine Rolle. Für sie zählt, wie sie ihr Kind bestmöglich fördern können.

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