"Pure as Love": Indisches Werbevideo mit und über eine trans Frau sorgt für Begeisterung

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Ein indisches Werbevideo sorgt weltweit für Begeisterung. Weil es erstens mutig ist und zweitens eine positive Botschaft vermittelt. Der Werbespot eines traditionellen Schmuckherstellers kreist um die Selbstfindung einer trans Frau.

Bhima Jewellery produzierte erstmals einen Werbespot mit einer trans Frau und wird seitdem gefeiert (Bild: Screenshot/Youtube/Bhima)
Bhima Jewellery produzierte erstmals einen Werbespot mit einer trans Frau und wird seitdem gefeiert (Bild: Screenshot/Youtube/Bhima)

Viel Skepsis mussten sie überwinden, bis sich die Macher vor und hinter der Kamera letztlich dafür entschieden. Und das ist auch gut so, denn der Werbespot eines traditionellen indischen Schmuckunternehmens mit und über eine trans Frau wird nicht nur in Indien von vielen Menschen gefeiert.

Das Werbevideo "Pure as Love" von Bhima Jewellery erzählt von der Selbstfindung einer jungen trans Frau. Jede Stufe dieses Prozesses markiert ein neues Schmuckstück des in der indischen Stadt Kochi ansässigen Unternehmens. Konstant bleiben hingegen Liebe, Wertschätzung und Toleranz, die der Protagonistin in ihrem sozialen Umfeld zuteilwird.

Es ist ein mutiges Video. Denn die Weltoffenheit, die im Film thematisiert wird, findet sich nicht in allen Teilen der indischen Gesellschaft. Die Gleichbehandlung von trans Personen ist im Land seit 2014 zwar gesetzlich verankert. Viele der rund zwei Millionen Betroffenen sind aber noch immer mit Diskriminierung, Stigmatisierung und Ausgrenzung konfrontiert.

Die Macher mussten Ängste überwinden

Dass die Hauptdarstellerin von "Pure as Love" zunächst skeptisch war, in dem Spot mitzuwirken, hat aber auch persönliche Gründe. Meera Singhania Rehani ist selbst trans Frau, ihr Coming Out vor ihrer Familie hatte sie laut BBC vor zwei Jahren. "Ich wollte nicht, dass irgendjemand meine trans Identität für kommerzielle Zwecke ausnutzt", sagt die 22-Jährige Soziologiestudentin dem britischen Rundfunk.

Außerdem machte sie der Umstand nervös, fügt sie hinzu, dass ihr Charakter im Werbevideo anfänglich einen Bart trägt. Nachdem sie aber das Drehbuch gelesen und sich über den Regisseur [Bharat Sikka] informiert hätte, sagte sie schließlich zu. "Ich bin froh, dass ich das getan habe. Es hat mir auch geholfen, mich wohler zu fühlen."

Auch die Entscheidungsträger der seit 96 Jahren im Süden Indiens bestehenden Schmuckfirma waren nicht von Anfang an überzeugt von der Werbeidee. "Unsere vorherigen Spots handelten von glücklichen heterosexuellen Bräuten", sagt Navya Rao, Chefin für Online-Martketing bei Bhima, der BBC. "Deshalb machten wir uns Sorgen, wie die Leute reagieren würden."

Viele Zuschauer zu Tränen gerührt

Die Sorge hat sich als unbegründet erwiesen. Nur wenig Hass sei ihnen entgegengeschlagen, fügt Rao hinzu. Insgesamt sei die Reaktion "überwältigend". Zwar habe das Unternehmen "einige Kritik" dafür geerntet, einer "unnatürlichen Sache", wie die Kritiker meinen, eine Plattform gegeben zu haben. Gleichzeit hätten sie aber auch viele "positive Nachrichten" erhalten.

Großen Zuspruch erhält der Werbespot, mit dem der Schmuckhersteller eine "soziale Botschaft vermitteln" und eine "Diskussion anregen" will, auch auf sozialen Netzwerken. Im April dieses Jahres veröffentlicht, wurde der Clip auf YouTube schon mehr als 900.000 Mal angesehen. Auf Instagram kommt er auf rund 1,4 Millionen Klicks.

Die meisten Nutzer sind begeistert von der Kampagne, viele hat das Video zu Tränen gerührt. "Das war so schön und heilsam und rein", schreibt ein Nutzer auf YouTube. "Gut gemacht, Leute. Das hat mir die Tränen in die Augen getrieben." Der Spot sei "rein wie die Liebe", heißt es in einem weiteren Kommentar auf derselben Plattform. Das sei das Schönste, das er seit langer Zeit gesehen habe, meint ein dritter User.

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