Putin, Hauptfeind des Dschihad?

Steht der Anschlag auf eine U-Bahn in St.Petersburg im Zusammenhang zum Militäreinsatz Russlands in Syrien gegen Aufständische und Islamisten? Foto: Dmitri Lovetsky

Nach dem Bombenanschlag in einer U-Bahn in St. Petersburg mit mindestens 14 Toten arbeiten die russischen Behörden an der Aufklärung. Die internationale Presse sieht Zusammenhänge zum Militäreinsatz Russlands in Syrien gegen Aufständische und Islamisten.

Für die italienischen Tageszeitung «La Repubblica» hat Putin mit seinen Interventionen von der Krim bis nach Syrien gezeigt, dass Russland nicht ausgeschlossen werden könne, sondern noch immer eine Großmacht sei. Aber man müsse - und das würden die Amerikaner nur zu gut wissen - einen «entsetzlichen» Preis für das Bestreben bezahlen, eine Großmacht zu sein. «Heute ist es Putin, der Hauptfeind des Dschihadismus zu sein scheint.»

Die linksliberale polnische Zeitung «Gazeta Wyborcza» sieht dagegen in dem Anschlag auf die Millionenmetropole auch einen Nutzen für den Kreml. Putin habe bereits in der Vergangenheit Tragödien genutzt, um Strenge walten zu lassen, meint die Zeitung. «Auch jetzt (...) kann sich eine Bombe in der Metro als nützliches Werkzeug herausstellen, um die Schrauben anzuziehen.»

Für die spanische Zeitung «El País» ist mit dem Anschlag in St. Petersburg ein alter Bekannter in Russland zu neuem Leben erwacht: der Terror. Wilde und willkürliche Gewalt seitens bewaffneter Islamistengruppen kenne man dort seit dem Ende der Sowjetunion durch die Kriege in Tschetschenien und im Nordkaukasus. «Das Ende dieser Kriege schien die terroristische Bedrohung in Russland zu verringern», meint die Zeitung. Aber die Teilnahme russischer Truppen an den Bombardements in Syrien habe das «Monster» zu neuem Leben erweckt. Europa müsse für die Verteidigung des friedlichen Zusammenlebens Geschlossenheit mit Russland demonstrieren.

Auch die linksliberale slowakische «Pravda» plädiert für Zusammenhalt - trotz aller Vorbehalte gegen Putin. «Wenn es eine gemeinsame Bedrohung gibt, müssen wir ihr auch gemeinsam begegnen», meint die Tageszeitung und spekuliert, dass es sich bei den Tätern um Rückkehrer aus Syrien handelt, die unter der Flagge der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) kämpfen.

Auch die liberale slowakische Tageszeitung «Sme» plädiert für Solidarität: «Die Angst, die die Terroristen wecken wollen, kennt keine geopolitischen Grenzen.» Sie würde keinen bestimmten Ort, sondern viel mehr das Gefühl der Freiheit angreifen. «Und das sogar dort, wo es - wie in Russland - davon ohnehin zu wenig gibt.»

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