Wie weiter, Putin? Der Rubel rollt, doch es hagelt Kritik am Krieg

Wie weiter, Putin? Der Rubel rollt, doch es hagelt Kritik am Krieg

Ob sich Russlands Präsident Wladimir Putin tatsächlich darüber freuen kann, dass der Rubel einen 7-Jahres-Höchststand erreicht hat, darüber sind sich die Expertinnen und Experten nicht einig.

Oligarch Oleg Deripaska (54) meint im Interview zwar, die russische Wirtschaft komme mit den westlichen Sanktionen besser klar als gedacht. Er bezeichnet die Sanktionen auch als "schnell verderbliche Ware".

"Kolossaler Fehler, die Ukraine zu zerstören"

Aber der Chef des zweitgrößten Aluminium-Konzerns der Welt, Rusal, warnt vor den Folgen der andauernden russischen Angriffe auf das Nachbarland. "Ich bin beunruhigt darüber, wie schnell wir alles, was wir in den 90er Jahren (wirtschaftlich) erreicht haben, aufgegeben haben, dann alles, was wir in den 2000er Jahren erreicht haben, und jetzt sitzen wir da und warten auf den Sieg. Sieg über was? Wessen Sieg?" fragt Deripaska.

"Ich denke, es wäre ein kolossaler Fehler, die Ukraine zu zerstören", sagte der als "Kreml-nah" geltende Konzernschef nach Angaben der Nachrichtenagentur RB. In der Wirtschaft gebe es viele Verflechtungen zwischen Russland und der Ukraine.

Dmitri Lovetsky/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.
Oleg Deripaska beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg - Dmitri Lovetsky/Copyright 2022 The Associated Press. All rights reserved.

Schon zuvor hatte der Unternehmer Kritik am Krieg geübt - ohne diesen tatsächlich so zu nennen, Deripaska lebt weiterhin in Russland und war zuletzt auch auf dem Wirtschaftsforum in St. Petersburg.

"Kein Potenzial für einen Regimewechsel" in Russland

Allerdings sieht Deripaska derzeit "kein Potenzial für einen Regimewechsel". Es sei nicht wahrscheinlich, dass Oligarchen wie Michail Fridman (58), Pjotr Awen (67) oder der frühere Yukos-Chef Michail Chodorkowski (59) "zu den Waffen greifen und auf Panzern in die Region Brjansk durchbrechen". Brjansk liegt im Westen Russlands. Fridman und Awen sind Chefs der Alfa-Bank, stehen auf den westlichen Sanktionslisten, gelten aber als Kriegsgegner.

Zuletzt hatte es auch Gerüchte gegeben, Deripaskas Frau oder gar er selbst seien in Putschpläne gegen Putin verwickelt.

An diesem Mittwoch kostete ein Dollar 50,01 Rubel, ein Euro 52,91 Rubel. Doch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass es Russlands Wirtschaft gut geht.

Durch die Sanktionen wegen des Angriffskriegs gegen die Ukraine sind die russischen Importe zurückgegangen. Die Exporte werden dadurch noch teurer.

Seit den westlichen Sanktionen hat Moskau von den hohen Öl- und Erdgaspreisen profitiert. Dabei hatte der Kreml die Währung auch gestützt. Die russische Zentralbank hatte Devisengeschäfte drastisch eingeschränkt. Privatpersonen durften keine ausländischen Währungen abheben, und Unternehmen mussten Fremdwährungserlöse zwangsweise gegen Rubel tauschen.

Ob Moskau gegen den Höhenflug des Rubel vorgehen wird, bleibt abzuwarten.

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