Trauer um Königin Elizabeths Ehemann Prinz Philip

Joe JACKSON
·Lesedauer: 3 Min.
Kind legt Blumen vorm Palast nieder

Trauer in Großbritannien und Anteilnahme in aller Welt: Nach mehr als sieben Jahrzehnten an der Seite der britischen Königin Elizabeth II. ist Prinz Philip nur wenige Monate vor seinem 100. Geburtstag gestorben. Wie der Buckingham-Palast mitteilte, starb der 99-jährige Prinzgemahl am Freitag "friedlich im Schloss von Windsor". Die Queen befasse sich bereits mit den Begräbnisformalitäten. Zahlreiche Politiker, darunter der britische Premierminister Boris Johnson und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), reagierten betroffen.

"Mit tiefer Trauer gibt Ihre Majestät die Königin den Tod ihres geliebten Ehemannes, Seine Königliche Hoheit Prinz Philip, Herzog von Edinburgh, bekannt", hieß es in der Erklärung des Buckingham-Palasts. "Die königliche Familie trauert gemeinsam mit Menschen in aller Welt über seinen Verlust."

Die Queen war gut 73 Jahre lang mit Philip verheiratet, sie nannte ihn einmal ihre "Stärke und Stütze". Der frühere Prinz von Griechenland und Dänemark hatte für sein Leben an der Seite der Queen auf seine Militär-Karriere verzichtet.

In den vergangenen Jahren hatte Prinz Philip immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und war mehrmals im Krankenhaus. Zuletzt war er Anfang März in einer Londoner Spezialklinik am Herzen operiert worden und verbrachte einen Monat im Krankenhaus. Mitte März kam er wieder zurück nach Schloss Windsor, wohin die Queen und er sich aufgrund der Corona-Pandemie zurückgezogen hatten.

Bis 2017 hatte Prinz Philip ein geschäftiges Leben im Schatten seiner Frau, danach zog er sich jedoch weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück. Im Juni wäre er hundert Jahre alt geworden. Er hatte mit der Queen vier Kinder, war achtfacher Großvater und neunfacher Urgroßvater.

Die Nachricht von seinem Tod ließ ganz Großbritannien innehalten. Die Fernsehsender unterbrachen sofort ihr Programm und zeigten Sondersendungen zu seinem Leben. Der Sender BBC spielte bei der Nachricht die Nationalhymne "God Save the Queen".

An den Residenzen des Königshauses sowie an Regierungsgebäuden wurden die Flaggen auf halbmast gesetzt. Bis zur Beerdigung gilt eine Staatstrauer im Königreich. Am Zaun des Buckingham-Palastes wurde eine schriftliche Bekanntgabe des Todes des Ehemanns der Queen angebracht, wie im britischen Fernsehen zu sehen war.

Premierminister Johnson würdigte das "außergewöhnliche Leben und Wirken" des Verstorbenen und dankte ihm dafür im Namen aller Briten. Prinz Philip habe "die Zuneigung von Generationen" in Großbritannien, im Commonwealth und der ganzen Welt gewonnen, erklärte er vor seinem Amtssitz in der Downing Street.

Am Buckingham-Palast in London versammelten sich Menschen, um um Prinz Philip zu trauern. "Das ist wirklich ein trauriger Tag", sagte die 31-jährige Sarah Allison, die mit ihrer vierjährigen Tochter zum Palast kam. Es sei besonders für die Queen ein schwerer Verlust, "weil sie unzertrennlich waren".

Dem Palast zufolge ist die Queen bereits mit den Beerdigungsformalitäten befasst. Für jedes ranghohe Mitglied der britischen Königsfamilie wird noch zu Lebzeiten ein Plan für den Todesfall vorbereitet. Der Plan für Prinz Philip trägt den Codenamen "Operation Forth Bridge". Nach eigenem Wunsch soll Prinz Philip eine private Trauerfeier bekommen - kein Staatsbegräbnis - und am Schloss Windsor beigesetzt werden. Wegen der Corona-Auflagen, wonach ab nächster Woche 30 Menschen an Beerdigungen teilnehmen können, dürfte der Rahmen der Zeremonie klein ausfallen.

Aus aller Welt trafen Beileidsbekundungen ein. Kanzlerin Merkel erklärte, Prinz Philips Tod erfülle sie "mit großer Trauer". "Seine Freundschaft zu Deutschland, seine Geradlinigkeit und sein Pflichtbewusstsein bleiben unvergessen", betonte sie und sprach der Queen und ihrer Familie ihr Mitgefühl aus.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hob hervor, Philip sei "in Deutschland beliebt und hochgeschätzt" gewesen und der Königsfamilie und dem britischen Volk "eine Stütze in schwierigen und in guten Zeiten".

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen reagierte "betrübt" auf die Todesnachricht und sprach der Queen, ihrer Familie und allen Briten ihr "aufrichtiges Mitgefühl" aus.

In den USA würdigte Präsident Joe Biden den Herzog von Edinburgh als selbstlosen Diener Großbritanniens und lobte insbesondere dessen "ökologisches" Engagement. Auch die Regierungschefs von Kanada, Indien und Israel, Justin Trudeau, Narendra Modi und Benjamin Netanjahu, sowie Kreml-Chef Wladimir Putin und Mitglieder anderer europäischer Königshäuser kondolierten.

mkü/lan