Rad-Klassiker: Boonens bewegender Abschied bei Paris-Roubaix

Die Belgier zelebrieren das letzte Profi-Rennen ihres populärsten Sportlers, seine Siegchancen schmälert der ganze Rummel allerdings.

Die Abschiedszeremonie läuft seit einer Woche. Schon die Flandern-Rundfahrt am vorigen Sonntag war eine einzige Tom-Boonen-Huldigung. Sein Auftritt wurde von Tausenden mit dem von der Fußball-EM berühmten Isländer-Klatschen ("Huh") umrahmt, viele trugen Masken mit seinem Gesicht. Am Sonntag folgt nun der Höhepunkt: Für den 36-Jährigen ist die 115. Ausgabe des Rad-Klassikers Paris-Roubaix (11 Uhr, Eurosport) das Karriere-Finale. "Kein Grund, emotional zu werden", sagt Boonen vor seinen letzten 257 Kilometern. Doch das wird kaum gehen im Land der Flamen und Wallonen, wo der Radprofi sogar zur vereinigenden Kraft unter den manchmal heftig rivalisierenden Volksgruppen wurde. Boonens Popularität in Belgien ist vergleichbar mit der eines Boris Becker zu seinen Glanzzeiten. "In Belgien kennt ihn jeder, vom Kind bis zur Großmutter", erzählt Boonens deutscher Teamkollege Marcel Kittel. Der Sprinter hat die Begeisterung noch einmal miterleben dürfen, am Mittwoch bei seinem Sieg beim Scheldeprijs. Es war Boonens letztes Rennen in Belgien. "Die Fans waren förmlich außer sich", berichtete Kittel. Sogar eine Polizei-Eskorte war nötig, um das Quick-Step-Team rechtzeitig zur Einschreibung vor dem Start zu bringen.

Die Belgier lieben ihren "Tommeke". Auch, weil er seine Makel hat, sportlich und privat tiefe Krisen durchlebte. Die Kokain-Affäre in den Jahren 2008 und 2009 etwa brachte Boonen in Misskredit, er gestand im Zuge dessen auch ein Alkoholproblem und wurde zweimal in Folge von der Tour...

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