Rassismus-Vorwürfe gegen „Super Bowl“-Werbung von Volkswagen

Acht Millionen Dollar hat der Werbespot des deutschen Autobauers für das Finale der amerikanischen Football-Liga gekostet. Gut möglich allerdings, dass der Werbefilm beim quotenträchtigen "Super Bowl" nicht gesendet wird. Denn im Spot kann man einem weißen Bürohengst dabei zuhören, wie er in jamaikanischem Slang versucht, seine missmutigen Kollegen aufzuheitern. Die Botschaft des Clips "Get in, get happy" ("Steig ein, sei fröhlich") finden Kritiker gar nicht witzig - sondern vielmehr rassistisch.

Löste eine Rassismus-Debatte aus: ein Werbespot von VW (Screenshot: Youtube)Der 60-Sekünder beginnt ganz harmlos. Eine Gruppe Büroangestellte jammert im Fahrstuhl über den öden Wochenbeginn. Bis ein junger, motivierter Kollege ins Bild tritt: "No worries, man, everything will be alright" ("Keine Sorge Mann, alles wird gut"). Stein des Anstoßes: der Mann spricht mit starkem jamaikanischen Akzent. Doch das ist nicht die einzige Sequenz, in der sich der weiße Schauspieler schwarzer Mundart bedient. So tritt in einer anderen Szene ein Mann gegen einen Süßigkeitenautomaten. "Don‘t fret, my brother, sticky bun come soon" ("Keine Sorge Bruder, das süße Teilchen kommt gleich"), schallt es dem verbitterten Kollegen bestgelaunt entgegen. Dabei kommt der Chefmotivator augenscheinlich nicht aus dem Karibikstaat, sondern aus Minnesota: "Yessa, the land of 10.000 lakes" ("Jawohl, das Land der 10.000 Seen"). Am Ende braust der gut gelaunte Weiße mit ebenfalls bestens aufgelegten Kollegen in einem Volkswagen davon.

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Genau diese klischeehafte Überzeichnung des Charakters der Bevölkerung Jamaikas stößt bei Kritikern auf wenig Gegenliebe. "Das ist so rassistisch", beschwert sich Barbara Lippert, Korrespondentin der "Mediapost.com" bei MSN. Auch "New York Times"-Kolumnist Charles Blow kritisiert die "schwarze Stimme" des weißen Protagonisten. Der Spot suggeriere, dass schwarze Menschen einfach immer glücklich seien.

Volkswagen wehrt sich gegen die Anschuldigungen. Man habe vor den Dreharbeiten mit 100 Jamaikanern gesprochen und einen Sprechtrainer engagiert - um sicherzugehen, dass das ganze nicht anstößig wird, verteidigt ein Sprecher des Autoherstellers den Werbefilm. VW Manager Mark Gillies bestätigte am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, man wolle an der Ausstrahlung des Spots festhalten. Schließlich sei die Hauptbotschaft des Spots, dass eine Fahrt in einem VW "den Tag erfreulicher gestaltet".


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