Bericht: Immer mehr junge Flüchtlinge gehen in Berlin der Prostitution nach

In Berlin prostituieren sich einem Bericht zufolge immer mehr junge Flüchtlinge. Laut RBB handelt es sich überwiegend um junge Männer aus Afghanistan, Pakistan und dem Iran. Im Berliner Tiergarten habe sich eine regelrechte Szene entwickelt

Immer mehr junge Flüchtlinge gehen einem Medienbericht zufolge in Berlin der Prostitution nach: Dabei handele es sich überwiegend um junge Männer aus Afghanistan, Pakistan und dem Iran, berichtete das RBB-Inforadio am Montag unter Berufung auf Hilfsorganisationen. Die Zahl der betreuten Jugendlichen, die sich zur Prostitution anbieten, habe sich zuletzt vervielfacht. Linke und Grüne forderten mehr Unterstützungs- und Betreuungsangebote für junge Flüchtlinge.

Die Prostitution wird dem Bericht zufolge meist über Internetforen organisiert. Aber auch auf der Straße findet die Kontaktaufnahme statt. Im Berliner Tiergarten habe sich eine regelrechte Szene entwickelt. Manche Flüchtlinge sind dem Bericht zufolge minderjährig, die meisten gerade erwachsen geworden.

Als Hauptursache sehen die Hilfsvereine mangelnde Unterstützungsangebote. Sobald die Flüchtlinge 18 Jahre alt seien, würden viele aus dem Hilfesystem für Jugendliche herausfallen. Diana Henniges vom Verein "Moabit hilft" sagte dem Sender, sie habe schon mehrfach 16- und 17-jährige Afghanen betreut, die sich an verschiedenen Orten in Berlin prostituiert hätten.

Auch der Verein "Hilfe für Jungs e.V." schickt Streetworker in den Tiergarten, um die Flüchtlinge über HIV aufzuklären und ihnen Unterstützung anzubieten. Doch sie aus dem Park herauszuholen, funktioniere meist nicht so einfach, sagte Vereinschef Ralf Rötten dem RBB. Die Flüchtlinge dürften zum großen Teil keinen Deutschkurs machen, nicht zur Schule gehen und erst recht keiner Arbeit nachgehen. "Was sollen wir einem solchen jungen Mann als Alternative anbieten?"

Die wenigsten Flüchtlinge würden gezwungen, im Tiergarten anschaffen zu gehen, sagte Rötten. Aber der Park sei eine der wenigen Möglichkeiten, Geld zu verdienen.

Die Berliner Linken-Landeschefin Katina Schubert sagte am Montag der Nachrichtenagentur AFP, die "erschütternden Geschichten von minderjährigen Geflüchteten, die sich in Berlin prostituieren, sind deutschlandweit sicher kein Einzelfall". "Die Integrationspolitik der Bundesregierung ist gescheitert." Nötig seien dringend mehr Streetworker und Unterkünfte für minderjährige Obdachlose sowie Angebote, Deutsch zu erlernen und zur Schule zu gehen.

Auch die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter forderte mehr Betreuungs- und Integrationsangbote für junge Flüchtlinge - auch über das 18. Lebensjahr hinaus. "Wer hier am falschen Ende spart, wird später die Zeche zahlen", erklärte Peter in Berlin. "Diese jungen Leute rauchen nicht weniger, sondern mehr Hilfe."

Der Berliner Senat hat keine gesicherten Informationen zu dem Thema, wie die Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales und Integration auf Anfrage mitteilte. Wo immer Prostitution von Flüchtlingen auch stattfinde, geschehe dies im Verborgenen. Belege oder Aussagen von Betroffenen lägen nicht vor.

Nach Angaben von Barbara John, Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Berlin, ist das Problem nicht neu. Bereits Anfang der 1990er Jahre, als viele bosnische Flüchtlinge in Berlin waren, sei die Prostitution ein Thema gewesen, sagte die frühere Ausländerbeauftragte des Berliner Senats im RBB. Nötig sei professionelle Hilfe. "Wir müssen ihnen ein Ausstiegsszenario anbieten, das attraktiv für sie ist", sagte John.

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