Rebellion und Rache in Dystopia: "The Handmaid's Tale" geht weiter

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"Handmaid's Tale" geht in die vierte Staffel: Die rebellierenden "Mägde" June (Elizabeth Moss, links) und Janine (Madeline Brewer) fliehen vor dem totaitären Regime. (Bild: Sophie Giraud/Hulu/Magenta TV)
"Handmaid's Tale" geht in die vierte Staffel: Die rebellierenden "Mägde" June (Elizabeth Moss, links) und Janine (Madeline Brewer) fliehen vor dem totaitären Regime. (Bild: Sophie Giraud/Hulu/Magenta TV)

Klopft im dystopischen Albtraum die Revolution an die Tür? Elizabeth Moss alias June wird in der vierten Staffel "Handmaid's Tale" zur Rebellenführerin. Magenta TV zeigt zehn neue Episoden der vielfach prämierten Serie als deutsche Premiere.

Als "The Handmaid's Tale" 2017 in den USA Premiere feierte, erblickten manche in der Drama-Serie einen düsteren Vorschein auf eine autoritäre Zukunft. Donald Trump war gerade zum Präsidenten gewählt worden, die Angst vor einer Untergrabung demokratischer Prinzipien groß. Was heraufziehen könnte, schien die auf Margaret Atwoods Roman basierende Dystopie drohend an die Wand zu zeichnen: Nach einem Bürgerkrieg ist Amerika, nunmehr Gilead genannt, eine faschistoide Diktatur unter Herrschaft religiöser Fundamentalisten.

Weil ein Großteil der weiblichen Bevölkerung auf rätselhafte Weise unfruchtbar wurde, degradiert man die noch gebärfähigen Frauen brutal zu "Gebärmaschinen". Eine dieser sogenannten "Mägde", die von Elizabeth Moss brillant gespielte Hauptfigur June, setzt sich trotz schlimmster Strafen drei Staffeln lang zur Wehr - eine ebenso spannende wie schwer zu ertragende Tour-de-Force, für die es von Emmy bis Golden Globe zahlreiche Auszeichnungen gab. Im vierten Durchgang nun, auf Magenta TV jetzt auch hierzulande zu sehen (ab Donnerstag, 2.9.), riecht es nach Revolution und Rache: June will das Regime zu Fall bringen.

Schließlich konnte die rechtlose Leihmutter zuvor vor den Regime-Schergen flüchten, bezahlte dies aber mit schwersten Verletzungen, die es auszukurieren gilt, bevor sie ihre Rolle der Rebellenführerin wieder annehmen kann. Schafft sie es, mithilfe der Widerstandsbewegung um Emily (Alexis Bledel) Gilead zu befreien? Und wie verhalten sich ihre einstigen Peiniger? Während Commander Fred Waterford (Joseph Fiennes) und seine Gattin Serena Joy (Yvonne Strahovski) in Toronto inhaftiert sind und ihre drohenden (Todes-)Strafen zu verhindern suchen, gibt sich Aunt Lydia (Ann Dowd) auch vor Gericht überzeugt, dass ihr sadistisches Handeln richtig war.

June (Elizabeth Moss) muss sich auf dem Land von der Flucht auskurieren. (Bild: Jasper Savage/Hulu/Magenta TV)
June (Elizabeth Moss) muss sich auf dem Land von der Flucht auskurieren. (Bild: Jasper Savage/Hulu/Magenta TV)

Wie Diktaturen funktionieren

In zehn neuen Episoden verzahnt Showrunner Bruce Miller abermals die großen Fragen nach der Funktionsweise autoritärer Staaten, nach individueller Schuld und Reue, nach dem Mut der Widerständigen. Man erfährt mehr über die Vergangenheit liebgewonnener Charaktere wie Janine (Madeline Brewer), aber auch über die Struktur Gileads und die Kriegsfront an den Grenzen des Landes. Wie so oft in der Serie, scheint alles immer noch schlimmer zu werden. Aber: Zentral erwächst - am Boden und doch empowert - Hauptfigur June endgültig zur selbstbewussten Revolutionärin, wenn auch nicht in klassisch heldenhafter "Hunger Games"-Manier. Abermals überragend, trägt Moss mit ihrem atemberaubend emotionalen Spiel so manche Episode fast im Alleingang. Was sie kann, zeigt die Kalifornierin auch hinter der Kamera: In drei der neuen Folgen führt sie Regie.

So viel die Serie Moss zu verdanken hat, gilt selbiges auch umgekehrt: Das Drama katapultierte seine Hauptdarstellerin endgültig in höchste Schauspielgefilde. Geriet Moss dank "Mad Men" einst zum Fandarling schlechthin, verschaffte ihr die Rolle der June neben Emmy und Golden Globe endgültigen Ruhm. "The Handmaid's Tale' hat mich komplett verändert - als Mensch, als Feministin, als Frau. Auf einmal war es nicht 'nur' ein Job, sondern mein Leben", gestand Moss einmal in einem Interview. Seither ist die 39-Jährige ein allseits beliebter und gefragter Star - zu sehen etwa im Biopic "Shirley" (2020) oder in Wes Andersons kommendem Film "The French Dispatch". Ihre Paraderolle allerdings, das beweist die vierte Staffel "Handmaid's Tale" abermals eindrücklich, bleibt bis auf Weiteres jene der mutigen Rebellin gegen ein erstaunlich stabiles System.

"Ich glaube fest an die Strafen, die ich verhängt habe. Ich habe im Dienste des Ordens und zum Wohle der Allgemeinheit gehandelt", rechtfertigt sich Aunt Lydia an einer Stelle. Man ahnt es: So funktionieren die willfährigen Handlanger von Diktaturen wirklich. Und leider auch: So werden sie weiterhin funktionieren. Dass derweil Trump nicht mehr an der Macht ist, tut dem beklemmenden Realismus der Serie keinen Abbruch: Weltweit lauern - in mörderischster Ausprägung derzeit in den Taliban - zahlreiche misogyne und totalitäre Regimes, die sich auf Religion berufen.

June (Elizabeth Moss) trifft auf ihre einstigen Peiniger Fred Waterford (Joseph Fiennes) und seine Gattin Serena Joy (Yvonne Strahovski). (Bild: Sophie Giraud/Hulu/Magenta TV)
June (Elizabeth Moss) trifft auf ihre einstigen Peiniger Fred Waterford (Joseph Fiennes) und seine Gattin Serena Joy (Yvonne Strahovski). (Bild: Sophie Giraud/Hulu/Magenta TV)
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