Wer die rechten Strukturen in Sachsen verstehen will, muss Stollberg besuchen

Josh Groeneveld
Der vom Verfassungsschutz beobachtete Thomas Witte hält eine Rede vor rechten Demonstranten in Chemnitz. 

“HAU AB! HAU AB! HAU AB! HAU AB!” 

Thomas Witte steht vor der wütend rufenden Menge, die Arme ausgebreitet wie ein Prediger auf der Kanzel. “Hau ab!”, ruft er mit den Leuten in Richtung des Stadions des Chemnitzer FC hinter ihm. 

Es ist der vierte Tag nach dem Mord an Daniel H., und der dritte nach dem Beginn der rechten Krawalle in Chemnitz. Im Stadion versucht Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit den Bürgern der Stadt zu reden, davor steht Witte – verwaschene Blue-Jeans, kurz geschorenes Haar, Brille – auf einem Zaun und wiegelt Demonstranten auf.

“Halten die nur ihre Kamera rein, weil die hoffen, dass wir einen Fehler machen? Dass die wieder sagen können: ‘Guckt euch diese scheiß verfickten Rechtsextremisten an’?”, schimpft Witte über die versammelten Reporter.

Die Menge johlt, “Lügenpresse! Lügenpresse!”. Witte grinst zufrieden. 

Thomas Witte ist Vorsitzender des Vereins “Heimattreue Niederdorf”, einem “Traditionsverein” in der kleinen Gemeinde Niederdorf, die zur Kleinstadt Stollberg im Erzgebirge südlich von Chemnitz gehört.

Er ist einer dieser Männer in Sachsen, die sich als “besorgte Bürger” ausgeben. “Wir sind keine Rechtsradikalen, wir sind Menschen wie du und ich”, behaupten Witte und seine Mitstreiter. 

Die Wahrheit ist: Einige Mitglieder von “Heimattreue Niederdorf” sind nach Angaben des sächsischen Verfassungsschutzes sehr wohl rechtsradikal. 

Tatsächlich finden sich von Witte nach kurzer Suche Videos im Internet, in denen er das Singen der verbotenen Strophe des Deutschlandlieds verteidigt oder die Nazi-Parole “Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten!” skandiert. 

Auf Facebook kommentierte Witte einmal die Seite des Gewerkschaftsbundes Südwestsachsen mit den Worten: “Am Arbeiter vorbei, eine Hure der Politik!”

In seiner Timeline findet sich ein Link zum rechtsextremen Magazin “Compact”,  sowie beleidigende Beiträge über die...

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