Wie Rechtsextreme vielen Ostdeutschen ein neues Wir-Gefühl verschafft haben

Sebastian Christ
Rechte Demonstranten am 7. September 2018 in Chemnitz

Wir müssen über ein Vorurteil reden: Über das Vorurteil, dass der Osten rechts ist.

Natürlich stimmt das so nicht. Es gibt dort viele Menschen, die wichtige Arbeit leisten im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Menschenhass. Und bei Wahlen haben radikale Kräfte bisher keine Mehrheit bekommen.

Und doch hat auch dieses Vorurteil einen wahren Kern. Im Osten Deutschlands gibt es nicht nur verhältnismäßig mehr AfD-Wähler als im Westen, mehr rechte Gewalttaten und eine verhängnisvolle Neigung zu autoritären Gesellschaftsmodellen.

Es ist auch kein Zufall, dass Bewegungen wie Pegida oder das rechte Bündnis “Zukunft Heimat” gerade in ostdeutschen Städten wie Dresden oder Cottbus entstanden sind.

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Gefährliches Wir-Gefühl 

Rechte Parolen fallen hier auf besonders fruchtbaren Boden. Und das vor allem aus einem Grund: Weil sie identitätsstiftend sind.

Gegen Migration zu sein, verhilft vielen Ostdeutschen zu einem Wir-Gefühl, dass sie bis vor ein paar Jahren so noch nicht verspürt haben. Dafür gibt es viele Indizien. Und auch neue wissenschaftliche Arbeiten liefern Belege dafür.

Der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama hat kürzlich ein neues Buch veröffentlicht, in dem er diese Mechanismen sehr anschaulich schildert. In “Identity” legt er eine Theorie darüber dar, wie bestimmend das Streben nach Anerkennung in der Politik ist. Und sie lässt Rückschlüsse darauf zu, was in den vergangenen fünf Jahren im Osten passiert ist.

Im Mittelpunkt von Fukuyamas Buch steht der Begriff “Würde”. Das Streben danach sei der Antriebsfaktor des politischen Handelns. Um zu verstehen, wie das auf die Entwicklungen in Ostdeutschland passt, muss man wissen, was Fukuyama mit dem Begriff beschreibt:

In frühen Herrschaftsformen sei es den Menschen darum gegangen, anderen überlegen zu sein.

Das Lehenswesen des Mittelalters war pyramidenförmig...

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