Referendum in der Türkei: Wie Erdogans Wahlkampf die Türken in Berlin entzweit

Für die in Berlin lebenden Türken beginnt das Referendum schon am Montag. Erdogans schrille Töne haben die Gräben vertieft.

Wenn Zübeyde Kale in den vergangenen Wochen auf Berliner Wochenmärkten Faltblätter mit Argumenten gegen ein Präsidialsystem für die Türkei verteilt hat, wurde ihr das Herz oft schwer. Sie sagt: "Viele Menschen hören uns gar nicht zu, weil sie einfach Erdogan vergöttern." Die Anhänger der Regierungspartei AKP vertrauten dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan oft blind. Deshalb wollten sie von ihr gar nicht genau wissen, welche konkreten Folgen die von ihrem Idol angestrebte Verfassungsreform haben würde.

Kale gehört einem Verein an, der in Berlin für die Ideen der sozialdemokratischen türkischen Oppositionspartei CHP wirbt. Mitte März organisierte der Verein zusammen mit dem Migrationsausschuss der IG Metall Berlin eine Vortragsveranstaltung mit der Generalsekretärin des türkischen Gewerkschaftsdachverbandes Disk, Arzu Cerkezoglu. In dramatischen Worten schilderte sie die jüngsten Entwicklungen in der Türkei in puncto Meinungsfreiheit. Als sie erklärte, die Gewerkschafter ihres Verbandes hätten gemeinsam entschieden, beim Referendum mit "Nein" zu stimmen, um ein "Ein-Mann-System" zu verhindern, klatschten die rund 100 Türkeistämmigen im Saal.

Aktionen der "Nein"-Kampagne kaum wahrgenommen

Die Auftritte von AKP-Ministern, die nach Europa gekommen sind, um für ein "Ja" beim Referendum zu werben, haben zu großen diplomatischen Verwicklungen geführt - Nazi-Vergleiche inklusive. Ein dramaturgischer Höhepunkt dieser Kette von Kritik und Beleidigungen war wohl die Reise v...

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