Reformer Chatami ruft zur Wiederwahl von Irans Präsident Ruhani auf

Mohammed Chatami im Juni 2003

Vor der Präsidentschaftswahl im Iran hat Ex-Präsident Mohammed Chatami zur Wahl des moderaten Amtsinhabers Hassan Ruhani aufgerufen. Im Fall einer Niederlage von Ruhani drohe "eine Rückkehr zu internationaler Isolation und Sanktionen", warnte der Reformer am Dienstag in einer Erklärung auf seiner Website und forderte seine Anhänger auf, bei der Abstimmung am 19. Mai für Ruhani zu stimmen.

Die Fortführung der Regierung Ruhanis sei "im Interesse des Volkes und des Landes", schrieb Chatami, der sich in seiner Präsidentschaft von 1997 bis 2005 für politische Reformen, wirtschaftliche Öffnung und eine Lockerung der kulturellen Restriktionen eingesetzt hatte. Der 73-jährige Geistliche bleibt populär im Iran, unterliegt aber seit Jahren einem Medien-Embargo.

Seitdem er sich hinter die Proteste gegen die umstrittene Wiederwahl seines Nachfolgers Mahmud Ahmadinedschad 2009 stellte, darf er nicht mehr öffentlich auftreten, und Medien dürfen nicht mehr über ihn berichten. Bereits bei der Wahl 2013 rief Chatami seine Anhänger zur Wahl Ruhanis auf und überredete den Reformer Mohammed Resa Aref, seine Kandidatur zurückzuziehen.

Ruhani ist es in seiner ersten Amtszeit gelungen, durch die Beilegung des jahrelangen Atomstreits die Aufhebung der schmerzhaften Wirtschaftssanktionen zu erreichen. Doch ist der erhoffte Wirtschaftsaufschwung ausgeblieben. Seine beiden konservativen Herausforderer, Mohammed Bagher Ghalibaf und Ebrahim Raisi, werfen Ruhani Missachtung der Armen und Missmanagement vor.

"Heute nutzen gewisse Opportunisten ihren Einfluss, ihre Kontakte und ihr Vermögen, um Profit zu machen, und niemand erhebt sich gegen sie", sagte Teherans Bürgermeister Ghalibaf am Dienstagabend bei einer Wahlkampfkundgebung. "Warum soll Arbeitslosigkeit einen Punkt erreichen, an dem sich Väter vor ihren Kindern und Familien schämen?", fragte Ghalibaf und warf Ruhani vor, nur die oberen vier Prozent der Gesellschaft zu vertreten.

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