Regel-Verstöße in der Covid-Krise untergraben Vertrauen in schwedische Regierung

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Schwedens Ministerpräsident Löfven

Verstöße gegen die eigenen Empfehlungen in der Covid-19-Krise haben dazu geführt, dass das Vertrauen der Schweden in ihre Regierung spürbar nachgelassen hat. Das Boulevard-Blatt "Aftonbladet" veröffentlichte am Dienstag eine Umfrage, wonach inzwischen 42 Prozent der Schweden "sehr wenig" Vertrauen zu Ministerpräsident Stefan Löfven haben - eine Zunahme um zehn Prozentpunkten gegenüber Dezember.

An den Feiertagen über Weihnachten und zum Jahresende war publik geworden, dass sich mehrere Regierungsmitglieder nicht an ihre eigenen Empfehlungen zur Eindämmung der Pandemie gehalten hatten. So wurde Löfven mehrfach bei einem Einkaufsbummel beobachtet.

Missfallen erregte insbesondere der Leiter des schwedischen Zivilschutzes, Dan Eliasson. Er war auf die Kanarischen Inseln geflogen, um mit seiner dort lebenden Tochter Weihnachten zu feiern. Die Regierung hatte die Parole ausgegeben, solche Reisen sollten unterbleiben, sofern sie nicht "notwendig" seien. Eliasson erklärte jedoch, dass er wegen der Pandemie schon auf viele Reisen verzichtet habe und dass gerade diese notwendig gewesen sei.

In der "Aftonbladet"-Umfrage erklärten 62 Prozent der Befragten, sie hätten "sehr wenig" Vertrauen in Eliasson. Die Regierung gab bekannt, dass er nicht entlassen werde, Innenminister Mikael Damberg habe ihn aber einbestellt.

Die schwedische Regierung setzt im Kampf gegen Covid-19 nicht auf behördliche Anordnungen, sondern auf Appelle an die Bevölkerung, "verantwortlich zu handeln".

Vor diesem Hintergrund traf es auf wenig Verständnis, dass Justizminister Morgan Johansson beim Einkaufsbummel und Finanzministerin Magdalena Andersson beim Ausleihen von Skiern gesehen wurden. Das widersprach offenkundig den Aufrufen der Regierung, Menschenansammlungen zu meiden und nicht zu verreisen.

ao/ju