Gläubigerausschuss berät über Aufspaltung von Air Berlin

Maschine von Air Berlin auf dem Flughafen Berlin-Tegel

Eine gute Woche nach dem Insolvenzantrag von Air Berlin hat am Mittwoch erstmals der Gläubigerausschuss getagt und über eine Aufspaltung der insolventen Fluggesellschaft beraten. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge liefen Verhandlungen über eine Absichtserklärung über den Verkauf der österreichischen Tochtergesellschaft Niki an Lufthansa. Auch Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig (SPD) bestätigte Gespräche zwischen Lufthansa und Niki.

Machnig sagte im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), er schließe nicht aus, dass es in den Gesprächen über einen Verkauf von Niki an Lufthansa "schon erste Ergebnisse geben könnte".

Laut "Süddeutscher Zeitung" ist Lufthansa bereit, einen vergleichsweise hohen Preis für Niki zu zahlen. Niki sei ein Unternehmen mit intaktem Flugbetrieb und verfüge über wertvolle Start- und Landerechte an den Flughäfen Düsseldorf und Berlin. Politisch bedeutsam sei der Verkauf von Niki auch deshalb, weil mit dem Erlös der Brückenkredit der Bundesregierung bedient werden könne. Insider befürchteten, dass Air Berlin trotz des Darlehens der Regierung schon bald Flüge aus Geldmangel streichen müsse.

Machnig verwies auf den großen Zeitdruck für die Verhandlungen, da das Geld für Air Berlin aus dem staatlichen Überbrückungskredit von 150 Millionen Euro nur noch bis Ende November reiche. "Dass der Kredit endlich ist, dessen sind sich alle bewusst", sagte Machnig dem RND. Der Überbrückungskredit gebe Air Berlin "die Zeit, die Verhandlungen im Sinne einer guten Zukunftsperspektive für die Mitarbeiter zu vollenden". Daran schließe sich das kartellrechtliche Verfahren an.

Der Staatssekretär wies erneut alle Spekulationen zurück, am Ende der Gespräche über Air Berlin könnte die Lufthansa als Monopolist den Luftverkehr in Deutschland beherrschen. Es gebe zehn Interessenten.

Niki Lauda, Gründer der Air-Berlin-Tochter Niki, kritisierte die Bevorzugung der Lufthansa bei den Verhandlungen. Die Lufthansa habe "die Politik ins Boot geholt, um den Wettbewerb zu reduzieren", sagte Lauda dem "Handelsblatt". Ein deutscher Champion werde aber "nicht gebraucht, wenn er den Wettbewerb einschränkt". Lauda hatte die Anteile seiner profitablen Airline Niki vor wenigen Jahren an Air Berlin verkauft und saß jahrelang im Verwaltungsrat der Fluggesellschaft.

Die Gewerkschaft Verdi forderte mehr Arbeitnehmervertreter im Gläubigerausschuss. Es könne nicht sein, dass für den Bereich Technik/Verwaltung und den Bereich der Luftverkehr KG jeweils nur ein Beschäftigtenvertreter für insgesamt mehr als 8000 Beschäftigte am Ausschuss teilnehmen könne, kritisierte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. Es gehe nicht nur um Geld und Maschinen, "es geht hier um die Rettung von Arbeitsplätzen".

Air Berlin hatte am Dienstag vergangener Woche Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Derzeit verhandelt die Airline mit Lufthansa und mindestens noch zwei weiteren Interessenten. Medienberichten zufolge sind neben dem britischen Billigflieger Easyjet auch der Touristikkonzern Tui (Tuifly) und die Thomas-Cook-Tochter Condor an Teilen von Air Berlin interessiert. Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl möchte Air Berlin als Ganzes übernehmen und sanieren.

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