Rekordsommer: Airbnb verdient mehr als eine Milliarde Dollar

Eines der Vorzeigeunternehmen der Sharing-Economy liefert in turbulenten Zeiten weiter. Airbnb kann in seinem Hauptreisequartal abermals die Wall-Street-Erwartungen deutlich übertreffen. Indes: Die Sorge vor einer konjunkturellen Flaute stimmt Anleger skeptisch.

Ab in die Ferien – und zur Airbnb (Foto:REUTERS/Dado Ruvic/Illustration)
"Revenge Travel" macht es möglich: Diesen Sommer wurde soviel wie nie bei Airbnb gebucht (Foto: REUTERS/Dado Ruvic/Illustration)

Einfach ab in die Ferien: Nach zwei Jahren der lähmenden Corona-Beschränkungen hatte sich bei Millionen von Reisenden einiges aufgestaut. Weg, einfach nur weg – wer wollte das nicht? Das geflügelte Wort von „Revenge Travel“ machte die Runde.

Wer sich nicht von langen Warteschlangen am Flughafen, unkalkulierbaren Gepäck-Scherereien, der immer noch grassierenden Corona-Pandemie und der immer massiveren Inflation hat abhalten lassen, könnte seine Reisebuchung bei Airbnb getätigt haben. Der digitale Zimmervermittler hat nämlich im Sommer wie erwartet einen enormen Nachfrageboom erfahren, wie die jüngste Geschäftsbilanz verdeutlicht.

Umsätze legen um 29 Prozent zu

So erlöste der Internetpionier in den 92 Tagen von Anfang Juli bis Ende September 2,88 Milliarden Dollar, was einer Steigerung von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht, als Airbnb noch 2,24 Milliarden Dollar umgesetzt hatte. Analysten hatten mit Erlösen in Höhe von 2,85 Milliarden Dollar gerechnet.

Gegenüber dem Vor-Corona-Jahr 2019, als noch keine Lockdowns und Reiserestriktionen die Buchungsbereitschaft eintrübten, hat Airbnb sogar noch deutlicher zugelegt – die Umsätze im dritten Quartal 2022 fielen um 75 Prozent höher aus als im Vergleichszeitraum vor drei Jahren. Insgesamt 99,7 Millionen Übernachtungen (+ 25 Prozent) mit einem Umsatzvolumen von 15,6 Milliarden Dollar (+ 31 Prozent) wurden im dritten Quartal bei Airbnb gebucht.

Rekordgewinne im zweiten Quartal

Noch mehr Fortschritte machte der "Sharing Economy"-Pionier, der erst vor zwei Jahren an der Wall Street debütierte, beim Konzernergebnis. Nach einem Nettogewinn von 834 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum konnte CEO Brian Chesky nunmehr den ersten Milliarden-Gewinn in der 14-jährigen Konzerngeschichte ausweisen.

Stolze 1,2 Milliarden Dollar blieben per 30. September in der Konzernbilanz für das dritte Quartal hängen. Der Gewinn je Aktie in Höhe von 1,79 Dollar fiel deutlich höher aus als von der Wall Street erwartet, die noch mit einem Gewinn von 1,46 Dollar je Anteilsschein gerechnet hatte.

Ausblick unter den Erwartungen, Aktie unter Druck

Einziger Makel: Für das Jahresabschlussquartal erlaubte sich Airbnb-CEO Brian Chesky unterdessen, Umsätze in Aussicht zu stellen, die im schlechtesten Fall unter den Erwartungen liegen. So rechnet der 14 Jahre alte Internetkonzern zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember mit Erlösen zwischen 1,80 und 1,88 Milliarden Dollar, die sich moderat unter den Analystenerwartungen von 1,86 Milliarden Dollar bewegen, aber deutlich über dem Vorjahresniveau liegen.

Aktionären reichten das gute Zahlenwerk wegen der minimal schwächeren Aussichten indes nicht. Der Grund: Anleger dürften hinterfragen, wie robust die Buchungsnachfrage in Zeiten einer möglicherweise aufziehenden Rezession tatsächlich ist. Die Entsagungen der Pandemie scheinen in diesen Monaten nachgeholt, doch setzt sich die Reise- und Buchungslust auch ungebremst fort, wenn die Inflation das Budget schmälert?

Wie schon bei den letzten Bilanzvorlagen reagierten Anleger mit harschen Abverkäufen: Aktien von Airbnb tendierten im nachbörslichen Handel um rund sieben Prozent nach unten. Bei Kursen von 101 Dollar notiert das US-Internetunternehmen mit Sitz in San Francisco nun schon 42 Prozent unter dem Startniveau von 2022. Gegenüber den im vergangenen Jahr aufgestellten Allzeithochs haben sich die Anteilsscheine von Airbnb unterdessen gar mehr als halbiert.

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