Retuschiert: MDR entfernt Bild des Hitler-Attentäters Georg Elser aus Berichterstattung

In einer Fernsehsendung berichtete der MDR am Samstag anlässlich des 75. Jahrestages der Bombardierung Dresdens über Demonstrationen Rechtsextremer und Gegendemonstranten. Für den Beitrag wurde das Bild des Hitler-Attentäters Georg Elser von einem Transparent entfernt. Via Twitter bat der Sender später, den Fehler zu entschuldigen.

Hinter einem Plakat mit der Aufschrift "Gemeinsam gegen den Rechtsruck in Europa" stehen Demonstranten. Mit Kundgebungen an zentralen Orten in Dresden haben die Proteste gegen einen geplanten Aufmarsch von Rechtsextremen anlässlich des 75. Jahrestags der Bombardierung Dresdens begonnen. Foto: Oliver Killig / dpa-Zentralbild / dpa

Die MDR-Sendung Sachsenspiegel berichtete am Samstagabend über den 75. Jahrestag der Bombardierung Dresdens. In dem knapp vierminütigen Beitrag wurde die Situation vor Ort gezeigt: Rechtsextreme und Gegendemonstranten hatten ihre Anhänger mobilisiert und zogen, getrennt durch ein immenses Polizeiaufgebot, durch die Innenstadt.

Kommentar: Zum Jahrestag der Dresdener Bombennacht sollte die AfD sich ehrlich machen

Während des Fernsehbeitrags wurden im Hintergrund Fotos von den Demonstrationszügen eingeblendet. Ein Foto zeigte die Polizeilinie vor den Gegendemonstranten und -demonstrantinnen. Zwischen zwei Uniformierten hindurch schimmerte ein weißes Plakat. Ohne Druck, ohne Worte. In der MDR-Mediathek ist dasselbe Foto abrufbar, jedoch in anderer Fassung: Dort zeigt das Plakat den Hitler-Attentäter Georg Elser. Wieso hat der MDR das Foto eigens für die Fernsehsendung verändert?

Erst eine kurze, dann eine lange Erklärung des MDR

Auf die offenkundige redaktionelle Bearbeitung hatte ein Nutzer, laut Selbstauskunft Mitglied der Linksjugend Solid, einer Nachwuchsorganisation der Partei Die Linke, auf dem Kurznachrichtendienst Twitter aufmerksam gemacht. Er fragte: „Warum verändern Sie willentlich ohne Hinweis den Inhalt des Transparentes?“

Darauf reagierte der MDR, ebenfalls auf Twitter, wenig später: Es sei ein Fehler in der Bildbearbeitung unterlaufen, es habe keinen redaktionellen Anlass dazu gegeben, mit der Bitte um Entschuldigung.

Doch diese Antwort war für viele Nutzerinnen und Nutzer unvollständig. Auch der Thread-Ersteller selbst hakte nach, er fragte: „Mich würde aber wirklich interessieren, wie man bei der Bildbearbeitung (mehr als Zuschneiden war da ja wohl nicht) ‚ausversehen‘ eine ganz bestimmte Stelle weiß färbt, und so den Inhalt verändert.“

Beide Beiträge weiterhin ohne Kenntlichmachung abrufbar

Und so folgte ein längeres Statement des MDR, in insgesamt fünf Tweets bat der Sender nochmal um Entschuldigung. So sei das Foto entstanden: „Die Grafik sollte ein allgemeines Hintergrundbild für die Moderationen zum Demonstrationsgeschehen in Dresden finden.“ Der verantwortliche Grafiker habe auf der Suche nach einem Bild versucht, das Foto so zu bearbeiten, dass es in den dafür vorgesehenen Rahmen passte. Was jedoch ohne Rücksprache mit der Redaktion geschehen sei, die diese Bearbeitung aus redaktioneller Sicht nicht geduldet hätte.

13. Februar in Dresden: Das belastete Datum

Zum Schluss heißt es in dem Statement: „Das ärgert uns besonders, da Hörfunk, Fernsehen und Online von MDR SACHSEN an diesem Tage sehr umfangreich von den Demonstrationen berichtet hat und damit auch ein Bild eines weltoffenen Dresdens transportiert hat. Der Vorgang wurde heute mit dem Grafiker ausgewertet. Die Redaktion des Sachsenspiegels bedauert den Vorgang und entschuldigt sich.“

Doch auch diese Antwort greift vielen auf Twitter zu kurz. Es bleiben Fragen offen, etwa: Wieso wurde auf dem bearbeiteten Foto nicht nur der Kopf Elsers entfernt, sondern die vorherigen Schattenverläufe nachträglich wieder eingefügt und angepasst? Wieso wurde der Inhalt verändert, wenn nur das Format angepasst werden sollte?

Bislang sind beide Beiträge ohne Hinweise, das retuschierte Foto im Sachsenspiegel und das nicht-retuschierte Foto in der Bilderstrecke, abrufbar.

Die Plakat-Ersteller melden sich auf Facebook

Laut Spiegel waren am Samstag rund 1.000 Neonazis aus ganz Europa in Dresden aufmarschiert. Ebenfalls vor Ort waren nach Angaben der Organisatoren Dresden Nazifrei mehr als doppelt so viele Gegendemonstranten. Das Plakat mit Georg Elser - er gilt als eine der wichtigsten Figuren des Widerstands, weil er am 8. November 1939 versucht hatte, Adolf Hitler zu töten - war Teil der Kundgebung gegen Rechts.

Verantwortlich dafür zeigt sich laut Facebook mittlerweile der der Partei Die Linke nahestende Studierendenverband SDS aus Leipzig. In einem kurzen Beitrag über den „grotesken Anlass“ schreiben die Plakat-Ersteller, dass sie die Entschuldigung des MDR annehmen: „Unser liebster Heimatsender MDR Sachsen hatte es in seiner Berichterstattung einfach wegretuschiert – und sich dafür mittlerweile entschuldigt. Die Entschuldigung nehmen wir an und freuen uns, dass der Genosse Georg Elser in aller Munde ist.“

Video: Steinmeier warnt in Dresden vor Instrumentalisierung der Luftangriffe