„Rezession? Welche Rezession“: Deutsche Bank erwartet für Deutschland und Europa jetzt mehr Wachstum bei weniger Inflation

Die Aussichten für die Konjunktur in Deutschland und Europa haben sich nach Ansicht der Deutschen Bank deutlich aufgehellt. - Copyright: Getty Images
Die Aussichten für die Konjunktur in Deutschland und Europa haben sich nach Ansicht der Deutschen Bank deutlich aufgehellt. - Copyright: Getty Images

Deutschland und die Euro-Zone können eine Rezession infolge des Ukraine-Krieges und der Energiekrise mit großer Wahrscheinlichkeit vermeiden. Mehr noch: Auch darüber hinaus haben sich sie Aussichten für Unternehmen und Verbraucher deutlich verbessert. Zu dieser Einschätzung kommen die Ökonomen von DB Research, der Forschungseinrichtung der Deutschen Bank, in ihrem neuen Konjunktur-Ausblick „Focus Europe“.

Sie prognostizieren für Deutschland und Europa jeweils ein deutlich besseres Wirtschaftswachstum bei einer geringeren Inflation als bisher angenommen. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde die Leitzinsen gleichwohl noch weiter erhöhen, weil die Preissteigerung sich auf hohem Niveau zu verfestigen drohe.

Unter der Überschrift „Rezession? Welche Rezession?“ verweisen die Ökonomen auf die überraschend gute Entwicklung der Konjunktur seit dem Spätsommer 2022. Der Hauptgrund dafür sei, dass Europa die Energiekrise in den Griff bekommen habe. „Die Speicher sind voll. Die Gaspreise sinken. Die Inflation geht zurück und die Unsicherheit nimmt ab“, fassen die Autoren die bessere Lage zusammen.

Die Deutsche Bank hebt ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum um einen vollen Prozentpunkt an. Für Deutschland erwarten die Ökonomen 2023 nun ein unverändertes Bruttoinlandsprodukt, für die Euro-Zone sogar ein Wachstum von 0,5 Prozent. „Angesichts aller Umstände wäre selbst eine Stagnation ein bemerkenswert widerstandsfähige Performance“, schreiben die Ökonomen. Gegenwind gebe es durch die absehbare Rezession in den USA und die Folgen der Zinserhöhungen der EZB. Doch die Öffnung und Erholung Chinas sollte Europa helfen, sogar mehr als eine Stagnation zu schaffen.

Gleichzeitig nahm DB Research die Prognose für die allgemeinen Inflationsraten zurück. In Europa würden die Verbraucherpreise statt der bisher erwarteten 7,5 Prozent im Jahresmittel nur noch um 5,8 Prozent steigen. Für Deutschland verringerte die Deutsche Bank die Inflationsprognose von 7,2 auf 6,5 Prozent.

Allerdings liege dies vor allem an der Entspannung bei den Energiepreise. In der gesamten Wirtschaft sorgten Zweitrundeneffekte wie stark steigende Löhne und Gehälter dafür, dass sich die Preissteigerung auf sehr hohem Niveau verfestige. Ihre Prognose für die Kernrate der Inflation – ohne Energie- und Nahrungsmittelpreise – ließen die Ökonomen daher unverändert bei 4,8 bis fünf Prozent.

Die EZB werde bei den Zinsen daher „noch einige Zeit auf dem Gaspedal“ bleiben müssen. Die Deutsche Bank rechnet unverändert damit, dass der Leitzins der EZB seinen Höhepunkt im Laufe des Jahres bei 3,25 Prozent erreicht. Die Unsicherheit habe sich sogar eher in Richtung eines noch höheren Zinsen verschoben.

Die EZB hatte den Zinssatz, zu dem sich Banken Geld bei der Zentralbank leihen können, zuletzt kurz vor Weihnachten um 0,50 Prozentpunkte auf 2,50 Prozent angehoben. Die nächste Zinsentscheidung der EZB ist am 2. Februar. Jüngste Äußerungen aus der Zentralbank lassen erwarten, dass die EZB die Zinsen mindestens im Februar und dann im März noch einmal um jeweils 0,50 Prozentpunkte anheben wird.