Rhein-Ruhr-Express: Neues Gleis erhöht Chancen für RRX-Halt am Köln-Mülheimer Bahnhof

Laut einer Machbarkeits-Studie ist der RRX-Halt in Mülheim wirtschaftlich vertretbar.

Noch im Sommer 2016 drohte Wirklichkeit zu werden, was für viele Pendler aus Mülheim und Umgebung ernste Konsequenzen gehabt hätte. Der Rhein-Ruhr-Express (RRX) mit seinen schnelleren und größeren Zügen als die aktuellen Regionalbahnen würde auf lange Sicht nicht in Mülheim halten, sagte NRW-Verkehrsminister Michael Groschek.

Stattdessen seien lediglich Halte am Kölner Hauptbahnhof und am Bahnhof Messe/Deutz vorgesehen. Der Bund lehne den Stopp in Mülheim als unwirtschaftlich ab.

Die Folge: Spätestens ab 2030, wenn das beschleunigte Nahverkehrssystem in seinen endgültigen Betrieb übergehen soll, wäre der Bahnhof Mülheim nicht mehr mit dem besonders wichtigen Ziel Düsseldorf verbunden gewesen. Denn der RRX soll die Regionalexpress-Linien 1 und 5 ersetzen – für Mülheim die einzigen Verbindungen zur Landeshauptstadt auf der Schiene.

„Wegen des Umwegs über den Bahnhof Deutz wären Pendler 20 Minuten je Richtung länger unterwegs“, so Heiner Schwarz von der Bürgerinitiative „RRX für Köln-Mülheim“. Viele wären gar auf das Auto umgestiegen. Keine gute Sache für den Stadtteil, der ohnehin mit hohen Luft-Schadstoffwerten zu kämpfen hat. Doch dieses Szenario scheint zum Glück vom Tisch zu sein.

Halt in Mülheim in Bundesverkehrswegeplan verankert

Sowohl die Politik als auch der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) wollten sich nicht mit den Plänen des Bundes abfinden. Der NVR hat mittlerweile eine Machbarkeits-Studie vorgelegt, die zeigt: Der RRX-Halt in Mülheim ist sehr wohl wirtschaftlich vertretbar. Und das trotz notwendiger Millionenausgaben für ein zusätzliches Gleis. Denn ein besseres Angebot ziehe spürbar mehr Bahnkunden an, so die Prognose.

Das Gleis müsste gebaut werden, um Platz für den RRX zu schaffen, damit der dem Fernverkehr nicht im Weg steht. Auf 300 Meter Länge könnte es auf der Seite des Bahnhof-Empfangsgebäudes entstehen, dazu wäre eine Erweiterung der Bahnsteiganlagen um etwa 3,50 Meter nötig – und laut Studie baulich auch möglich.

Die Kosten taxieren die Experten auf 16 bis 20 Millionen Euro. Auch der Bund scheint mittlerweile überzeugt zu sein. Jedenfalls wurde der Halt in Mülheim im Bundesverkehrswegeplan verankert. „Das ist ein Riesenschritt“, sagt NVR-Geschäftsführer Norbert Reinkober.

Kommt der Mülheimer Halt mit neuem Gleis, würde ab 2030 etwa jede Viertelstunde ein RRX zum Stehen kommen. Zusätzlich zu den langsameren und kürzeren S- und Regionalbahn-Zügen könnten künftig die RRX-Linien 1 (Münster–Aachen), 2 (Kassel-Köln), 4 (Flughafen Köln/Bonn–Hamm) und 6 (Minden–Koblenz) dort Station machen.

RRX-Halt in Mülheim vermeidet laut Studie rund 10.000 Autokilometer pro Tag

Die ursprüngliche Planung sah vor, dass die neuen RRX-Züge von 2019 bis 2030 zweimal pro Stunde in Mülheim halten. Ansonsten sollte er aber durchrauschen – weil sich auf der viel befahrenen Strecke zwischen Köln und Düsseldorf sonst die Züge stauen würden. „Das wäre ein Schildbürgerstreich gewesen“, sagt Reinkober. Denn der Knotenpunkt Mülheim habe enormes Potenzial und ist schon jetzt stark gefragt.

„Mein Eindruck war, dass die Leute, die die Entscheidung gegen Mülheim getroffen haben, nie am Bahnhof waren und gesehen haben, wie viel hier morgens und abends los ist“, sagt Heiner Schwarz.

Die Experten gehen in der Machbarkeitsstudie von täglich 18.200 Pendlern ab dem Jahr 2030 aus, einem Anstieg von 4900 Ein- und Ausstiegen gegenüber den aktuellen Zahlen. Diese Annahme basiert unter anderem auf dem starken Bevölkerungswachstum im Rechtsrheinischen und der Erwartung, dass das Verkehrschaos auf den Straßen zunimmt und bessere Bahnverbindungen umso verlockender wirken.

Der RRX-Halt in Mülheim würde laut Studie täglich 10.000 Auto-Kilometer vermeiden, das entspräche 600 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr weniger in der Luft. „Es gibt tierisch viele Pendler, die wir von der Straße auf die Schiene bekommen könnten, weil das Angebot attraktiver wird“, so Reinkober.

Bahnhof Mülheim bietet „ganz fantastische Möglichkeiten“

Die schnelle RRX-Verbindung würde aber nicht nur mehr Mülheimer Pendler anziehen, sind sich die Experten sicher. „Das Einzugsgebiet geht weit über Mülheim hinaus bis ins Linksrheinische“, so Winfried Wenzel vom NVR. Viele Berufstätige zum Beispiel aus Ehrenfeld würden sich den Umweg über den Hauptbahnhof sparen und mit der Straßenbahn-Linie 13 direkt nach Mülheim fahren, um in den RRX umzusteigen.

Der Bund habe bei seinen Berechnungen diese wichtige Umsteigebeziehung nicht einbezogen. Auch Heiner Schwarz ist sich sicher, dass ein RRX-Halt in Mülheim für die ganze Stadt von Vorteil wäre. Vor allem die schon heute überlaufenen Bahnhöfe in der Innenstadt und die Straßenbahn-Linien dorthin würden entlastet.

Dass der Bahnhof Mülheim „ganz fantastische Möglichkeiten hat“, gilt beim NVR als ausgemacht. Ungeklärt ist bislang nur, wer die Kosten für den Gleisausbau übernimmt. Vom Bund gibt es hierfür noch keine Zusagen....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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