1. FC Köln: Wie sinnvoll ist der Ausbau des Rhein-Energie-Stadions?

Ergebnis soll Ende Juli vorliegen – SPD kritisiert Auftrag für Frankfurter Planer

Ein guter Wirt freut sich darüber, wenn sein Lokal immer voll ist. Eine übervolle Kneipe steigert die Nachfrage – anders als eine, wo es immer freie Plätze gibt.

So kommentiert Volkwin Marg, der Architekt des Rhein-Energie-Stadions in Müngersdorf die Debatte um eine mögliche Aufstockung der Fußballarena auf 75 000 Plätze. „Das ist keine technische Frage“, so Marg. Man könne heute so ziemlich alles möglich machen, solange es sich rechne. Die Frage sei vielmehr, ob ein Ausbau überhaupt sinnvoll ist. „Und das muss die Stadt als Auftraggeber beantworten.“

Damit ist die Diskussion um ein größeres Stadion für den 1.FC Köln um eine Facette reicher: Ging es bislang um die Alternativen Ausbau in Müngersdorf oder Neubau an einem anderen Ort, bringt Marg eine dritte Variante ins Spiel:

Alles könnte bleiben, wie es ist. „Köln ist in der glücklichen Lage,  ein so fantastisches Publikum zu haben, das immer da ist.“ Er verweist auf Berlin, wo Bundesligist Hertha BSC aus dem großen Olympiastadion ausziehen möchte, weil sie nicht länger vor halbvollen Rängen spielen will.

„Sinnfrage“ muss geklärt werden

Das Kölner Stadion profitiere zudem von einem „einmaligen Erscheinungsbild“ und seiner Dichte. Wenn man es vergrößere, würden sich gleich mehrere städtebauliche Fragen stellen.

So müssten die denkmalgeschützten Abel-Bauten des ersten Stadions hinter der Nordtribüne wohl zumindest teilweise verschwinden – genau wie Baumreihen im Osten und Westen.

Das Urheberrecht des Architekten wird dagegen wohl kein Hindernis sein. „Würde die Stadt ihre Meinung ändern, wäre eine neue Situation da. Wir würden dann sicher mitmachen und zusammen mit den Tragwerksplanern eine neue Konstruktion entwickeln.“ Aber vorher müsse die „Sinnfrage“ geklärt werden.

Architekturbüro weltweit erfolgreich

Volkwin Marg ist Mitgründer des Hamburger Architekturbüros von Gerkan, Marg und Partner (GMP), das Fußballstadien in der ganzen Welt gebaut hat, so WM-Stadien in Brasilien und Südafrika.

Das Büro war auch für den Neubau des Frankfurter Stadions und den Umbau des Berliner Olympiastadions verantwortlich, in Madrid war es an der Umgestaltung des Bernabeu-Stadions beteiligt.

Würde das Stadion in Müngersdorf erweitert, wäre GMP automatisch mit im Boot. Wie eine Empfehlung für einen Umbau klingt der Kommentar von Marg zur Kölner Debatte jedoch nicht.

35 Standorte für einen Neubau geprüft

Ist der Erhalt des Status quo trotz des Drängens des FC tatsächlich eine realistische Perspektive?

Bislang spielt sie in den Überlegungen der Politik und der Stadtverwaltung offenbar keine große Rolle – zumindest nicht öffentlich.  Dass der FC aber tatsächlich einen geeigneten Standort für einen Neubau findet, steht wohl  längst noch nicht fest.

Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ haben der Stadtplaner Albert Speer und das Immobilien-Unternehmen Greif & Contzen im Auftrag des Fußballclubs rund 35 Standorte für einen Neubau geprüft. Zehn sollen in die engere Wahl gekommen sein, davon sechs außerhalb der Stadtgrenzen. Zu möglichen Favoriten innerhalb der Stadt sollen unter anderem Marsdorf und Porz-Wahn gehören.

Wer würde ein neues Stadion bezahlen? Und was passiert mit dem Müngersdorfer Stadion?

Keiner der verbliebenen zehn Standorte ist wohl optimal. Lärmbelästigung, Landschaftsschutz und vor allem die Verkehrsanbindung sind fast überall hohe Hürden.

Die nötige Infrastruktur um das Stadion müsste neu gebaut werden, damit  Straßenbahnen oder Züge Zehntausende an- und abtransportieren können. Außerdem sind rund 15000 Parkplätze erforderlich.

Als in München das neue Fußballstadion gebaut wurde, übernahmen die Fußballclubs Bayern München und 1860 München zwar die Kosten für den Neubau.

Die Stadt blieb jedoch nach Medienberichten auf mehr als 100 Millionen Euro für die Verkehrserschließung sitzen. Hinzu kamen aus Sicht des Steuerzahlers recht ungünstige Modalitäten der Grundstücksübernahme.

Stadion für 70 Millionen

Derartige Millionensummen dürften für Kölns Umlandkommunen ein paar Nummern zu groß sein. Und dass Köln für die Kosten aufkommen würde, wird im Rathaus bezweifelt – erst recht, wenn die Stadt durch einen Neubau auf ihrem schicken, dann aber weitgehend nutzlosen Müngersdorfer Stadion sitzen bliebe. Das dürfte im Jahr 2024 – bis dahin will der FC seinen Wunsch nach 75000 Plätzen umgesetzt haben – immer noch mit rund 70 Millionen in den Büchern stehen.

Die Baukosten für das Stadion sind noch lange nicht abgeschrieben. Wenn aber damit keine nennenswerten Einnahmen mehr erzielt werden können, hätte der FC dem Steuerzahler ein Millionengrab hinterlassen. „Kaum vorstellbar, dass die Stadt dann auch noch freudig die Kosten für die Verkehrsanbindung eines neuen Stadions übernimmt“, sagt ein Insider im Rathaus.

Streit um den Ausbau der Trainingsplätze im Grüngürtel

Dass der FC mit seinen Neubauplänen nur pokert, um die Stadt zu einem Ausbau in Müngersdorf zu drängen, scheint ebenfalls eher unwahrscheinlich.

Vor allem nach dem Streit um den Ausbau der Trainingsplätze im Grüngürtel gibt es dem Vernehmen nach. Einzelne in der FC-Spitze, die keine Lust mehr auf das politische Köln haben und einen Neubau außerhalb der Stadt durchaus gerne sähen. Diese Position ist offenbar noch ohne Mehrheit.

Standort mit Tradition

Die Idee, das Stadion an Ort und Stelle aufzustocken, ist weiterhin die populärste. Nicht zu unterschätzen ist aber die emotionale Bindung an den traditionellen Standort: Den Mitgliedern wäre ein Wegzug aus Müngersdorf wohl nur schwer zu vermitteln.

CDU und Grüne haben der Stadtverwaltung die Klärung der planungs- und genehmigungsrechtlichen Fragen für die Vergrößerung in Müngersdorf aufgetragen. Die SPD ebenfalls einen Fragenkatalog  eingereicht.

Das Thema Stadionbau müsse wie einst bei CDU-OB Fritz Schramma zur Chefsache werden, sagt der SPD-Fraktionschef Martin Börschel. „Ich kann derzeit nicht erkennen, dass die Beteiligten ernsthaft an Lösungen arbeiten und sich der Tragweite der Aufgabe bewusst sind.“ CDU und Grünen wirft er vor, mit ihrer Anfrage eine „Auflistung von Problemen“ angefordert zu haben.

Wichtig sei aber vor allem, Lösungen zu finden, damit der FC in Müngersdorf bleiben könne....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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