Richtungswechsel bei der AfD: Wie gefährlich ist „Vordenker“ Götz Kubitschek wirklich?

Wohin geht die Reise der AfD nach dem Parteitag in Köln? (Bild: AP Photo)


Die inzwischen als gemäßigt geltende AfD-Frontfrau Frauke Petry rückt in die zweite Reihe, das neue Spitzenduo – Alexander Gauland und Alice Weidel – steht nach dem Parteitag in Köln für die Bundestagswahl bereit. Doch auch der Name eines Nicht-Parteimitgliedes taucht aktuell immer wieder auf: Polit-Aktivist Götz Kubitschek gilt als Vordenker des Rechtsaußen-Flügels in der AfD.

Der Kleinverleger aus Schnellroda in Sachsen-Anhalt trat 2015 bei den rechtspopulistischen Pegida-Demonstrationen in Sachsen als Hauptredner auf und wurde nun im ZDF-Politikmagazin „Berlin direkt“ als „Vordenker der neuen Rechten“ der AfD – eine Art Spindoktor – bezeichnet.

Alice Weidel und Alexander Gauland führen die Partei durch den Bundestagswahlkampf. (Bild: AP Phot)

In dem Bericht heißt es, dass einige führende Mitglieder der Alternative für Deutschland Kubitschek als Ratgeber schätzen – darunter auch Thüringens umstrittener Fraktionsvorsitzende Björn Höcke, der sich für seine Reden regelmäßig von Kubitscheks Sichtweisen inspirieren lasse.

Im Interview mit „Berlin direkt“ erklärt Kubitschek selbst seinen Ansatz: „Es gibt die Denker, die Publizisten auf der einen und dann diejenigen auf der anderen Seite, die das Ganze politisch wirksam machen.“ Er gehöre zu Ersteren.

Während Frauke Petry lange selbst an der Radikalisierung ihrer Partei mitwirkte, wollte sie die AfD zuletzt wieder auf bürgerlichere Bahnen lenken. Nun zeigen sich die Gemäßigten in der AfD geschockt von der Machtverschiebung zugunsten des rechtsnationalen Flügels auf dem Bundesparteitag in Köln.

Kubitscheks Rittergut in Schnellroda wurde für den rechten Flügel der AfD zu einer Art geistigem Zentrum, heißt es in der Politsendung. Der Mann, bei dem die Memoiren von Leni Riefenstahl, „Preußische Soldaten“ von Rudolf Thiel und „Die Edda“ neben Büchern wie dem des Rechtsextremisten Karl-Heinz Hoffmann stehen, siezt seine Frau in der Öffentlichkeit und sorgte damit schon häufig für Spekulationen über sein Gesellschafts- und Familienbild.

Frauke Petry wurde auf dem AfD-Parteitag quasi entmachtet. (Bild: AP Photo)

Kubitscheks Gedankengut findet nicht nur in der eigenen Partei Anklang. Sein Verlag „Antaios“ boomt, seine Seminare sind ausgebucht. Und das mit der klaren Ansage, Deutschland massiv verändern zu wollen, selbst, wenn es Rückschläge gäbe, wie Kubitschek in dem ZDF-Beitrag zitiert wird.

Noch vor Monaten hatte das ehemalige AfD-Mitglied Bernd Lucke vor dem radikalen Kubitschek gewarnt; die damalige stellvertretende Bundesvorsitzende Patricia Casale hatte ihn gar als „brandgefährlichen Mann“ bezeichnet.

Die Entmachtung der inzwischen als gemäßigter geltenden Frauke Petry wird wie zuvor die – damals noch von Petry selbst vorangetriebene – Absetzung Bernd Luckes von Experten als weiterer Schritt zu einem noch schärferen Rechtskurs bei der AfD gesehen.

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