"Im Riss zweier Epochen" : Ziviler Ungehorsam in Potsdam während der DDR-Zeit

Ein Buch von Jutta Braun und Peter Ulrich Weiß erzählt davon, wie Potsdam sich zum oppositionellen Zentrum entwickelte.

Potsdam.  "Üb immer Treu und Redlichkeit, bis an dein stilles Grab. Und weiche keinen Fingerbreit von Honnis Wegen ab – von Erichs Wegen ab." So sangen in den 80er-Jahren die zwei Langen Kerls im Foyer des Potsdamer Hans-Otto-Theaters – sehr zur Erheiterung des Publikums. Lange durften die Mimen ihre Zeilen allerdings nicht schmettern. Schon kurz nach der Premiere der von Claus Hammel verfassten Komödie "Die Preußen kommen" untersagten SED-Funktionäre den offensichtlich systemkritischen Gesang. Was dem Erfolg des Stückes keinen Abbruch tat.

Das handelt davon, dass der Alte Fritz aufersteht, sich mit der DDR-Realität konfrontiert sieht, sogar eine "volkseigene Prüfungsanstalt für die Reintegration historischer Persönlichkeiten" durchlaufen muss. Mit 200 Aufführungen zwischen 1983 und 1986 wurde die Inszenierung die erfolgreichste in der Geschichte des Theaters. Nicht zuletzt weil in jeder Vorstellung tagesaktuelle Seitenhiebe ausgeteilt wurden. Das konnte selbst die Partei nicht verhindern, hätte sie doch jede einzelne Vorstellung überwachen müssen.

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Dies ist nur eine der vielen heute skurril wirkenden Episoden, die die Historiker Jutta Braun und Peter Ulrich Weiß in ihrem neuen Buch "Im Riss zweier Epochen. Potsdam in den 1980er und frühen 1990er Jahren" erzählen. Auf mehr als 500 Seiten wollen sie aufräumen mit dem Bild der früheren Bezirkshauptstadt als ausschließlich "roter Kaderstadt". Die...

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