Doch, das RKI erfasst die Zahl der Impfdurchbrüche bei Kreuzgeimpften

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Hunderte User haben seit Ende Oktober einen Screenshot auf Facebook geteilt, wonach Impfdurchbrüche für Kreuzgeimpfte angeblich nicht registriert würden. Der Ausschnitt eines N-TV-Artikels soll die Behauptung stützen. Das Robert-Koch-Instituts listet in seinen regelmäßigen Berichten allerdings durchaus auch Impfdurchbrüche für Kreuzgeimpfte. Die Facebook-Postings lassen außerdem ein entscheidendes Schaubild aus dem N-TV-Beitrag aus, das durchaus Zahlen an Impfdurchbrüchen nach Kreuzimpfungen zeigt.

Hunderte Nutzerinnen und Nutzer haben die Behauptung zu Kreuzgeimpften auf Facebook geteilt (hier, hier, hier). Auf Telegram sahen Hunderttausende eine fast identische Falschinformation (hier, hier).

Die Falschbehauptung: In den Facebook-Beiträgen heißt es, Impfdurchbrüche bei Kreuzgeimpften würden nicht gezählt. Dies soll der nicht näher beschriebene Chef einer Intensivstation behauptet haben. Als Beleg wird der Screenshot eines N-TV-Artikels geteilt. In dem Ausschnitt wird erläutert, Kreuzimpfungen könnten für die Ermittlung der Quote an Impfdurchbrüchen nicht berücksichtigt werden. In einigen Postings ist zudem ein Twitter-Beitrag des SPD-Politikers Karl Lauterbach zu sehen, der dafür warb, zwischen verschiedenen Impfstoffen zu wechseln.

Facebook-Screenshot der Falschbehauptung: 01.11.2021

Was ist eine Kreuzimpfung?

Auf der Webseite der Bundesregierung heißt es, bei einer Kreuzimpfung würden für die Erst- und die Zweitimpfung unterschiedliche Impfstoffe genutzt. Zudem hätten Studienergebnisse gezeigt, dass die Immunantwort nach einer ersten Impfung Astrazeneca und einer Zweitimpfung mit Moderna oder Biontech besser ausfalle als bei zwei Impfungen Astrazeneca.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfahl daher bereits im Juli Menschen, die eine Erstimpfung mit Astrazeneca erhalten hatten, sich für die Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff von Moderna oder Biontech impfen zu lassen.

Wovon spricht der Beitrag von N-TV?

Bei dem am 23. Oktober veröffentlichten Online-Artikel des Nachrichtensenders N-TV handelt es sich um einen Corona-Liveticker. Dieser informiert über aktuelle Inzidenzen, Neuinfektionen, Risikogebiete oder auch über Nachrichten aus den Bundesländern.

In einem Abschnitt berichtet er auch über die Zahl der Impfdurchbrüche. Dort ist auch der auf Facebook geteilte Textausschnitt zu sehen:

"Um eine Aussage über die Quote der Impfdurchbrüche treffen zu können, ist die Zahl der verabreichten Impfungen wichtig. Dabei können Kreuzimpfungen nicht berücksichtigt werden, da dabei der Impfdurchbruch nicht klar auf einen Impfstoff zurückgeführt werden kann."

Was die Facebook-Postings auslassen: Der Absatz bezieht sich auf ein vorangestelltes Diagramm, welches die Zahl der Impfdurchbrüche aufgeschlüsselt nach Impfstoffherstellern wiedergibt. Zu sehen sind die Unternehmen Biontech, Moderna, Astrazenca und Janssen. Aber auch Kreuzimpfungen zwischen Astrazeneca und Moderna, sowie zwischen Astrazeneca und Biontech sind dort durchaus mit konkreten Zahlen aufgeführt.

Screenshot der N-TV-Grafik basierend auf Daten des RKI

Der auf Facebook kursierende Ausschnitt des Textes erläutert demnach nur, dass bei Kreuzimpfungen keine Quote, also ein prozentualer Anteil von Impfdruchbrüchen, für die jeweiligen Impfstoffhersteller berechnet werden kann. Grund dafür sei, dass der Durchbruch nicht eindeutig einem Impfstoff zuzuordnen sei. Die Zahl der Impfdurchbrüche wird aber durchaus erfasst.

Woher stammen die Daten?

In der am 28. Oktober aktualisierten interaktiven N-TV-Grafik heißt es, die Daten stammten aus dem jeweils aktuell veröffentlichten Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts (RKI). Das RKI ist in Deutschland für die Überwachung des Infektionsgeschehens zuständig.

Auf AFP-Anfrage vom 1. November verwies eine Sprecherin des RKI ebenfalls auf den Bericht des Instituts, in welchem Zahlen zu Impfdurchbrüchen bei Kreuzgeimpften zu finden sind.

Demnach seien bisher insgesamt 117.763 wahrscheinliche Impfdurchbrüche in Deutschland verzeichnet worden. In 5585 Fällen habe der Durchbruch nach einer Kreuzimpfung zwischen Biontech und Astrazeneca stattgefunden. 977 Fälle ereigneten sich nach einer Kombination aus Moderna und Astrazeneca. Für weitere 2.341 Impfdurchbrüchen gebe es keine Zuordnung zu einem Impfstoff.

Fazit: Das RKI erfasst Impfdurchbrüche bei Kreuzgeimpften und veröffentlicht sie in seinen Berichten. Der N-TV-Beitrag wurde auf Facebook in verkürzter Form geteilt und dadurch missverständlich wiedergegeben. Im Original werden auch konkrete Zahlen zu Impfdurchbrüchen bei Kreuzgeimpften genannt.

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