RKI: Teils sehr hohe Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen

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Berlin (dpa) - Das Robert Koch-Institut (RKI) registriert in einzelnen Regionen Deutschlands besonders viele Corona-Ansteckungen bei Kindern und Jugendlichen.

In acht Landkreisen und einer kreisfreien Stadt liege die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei den 10- bis 19-Jährigen bei mehr als 500, wie das RKI am Freitag berichtete. Zu möglichen Ursachen für diese regionale Entwicklung machte die Bundesbehörde keine Angaben.

Bundesweit ist die Sieben-Tage-Inzidenz vergangene Woche in den Altersgruppen unter 20 Jahren allerdings im Vergleich zur Woche zuvor leicht gesunken, heißt es im Corona-Wochenbericht (4.-10. Oktober). Allerdings hatten in der Woche auch in drei Bundesländern die Schulferien begonnen. Die Werte bei Menschen über 20 hingegen stiegen leicht an.

Das RKI berichtete zudem über bundesweit 636 übermittelte Schulausbrüche in den vergangenen vier Wochen - wegen möglicher Nachmeldungen seien insbesondere die vergangenen zwei Wochen aber noch nicht zu bewerten. Inwiefern sich Schulausbrüche auf die Zahlen in den einzelnen Landkreisen auswirkten, war nicht klar. Die Kreise mit einer Inzidenz von mehr als 500 bei den 10- bis 19-Jährigen waren: Prignitz, Kyffhäuserkreis, Altenburger Land, Hildburghausen, Greiz, Traunstein, Berchtesgadener Land, Straubing-Bogen und die kreisfreie Stadt Rosenheim. Vier der Regionen liegen in Bayern, wo die Corona-Inzidenz am Freitag insgesamt erstmals seit Mai wieder über 100 lag. Bundesweit weist der Freistaat damit laut RKI die zweithöchste Inzidenz hinter Thüringen (120) auf.

Kinder werden besonders häufig getestet

Bereits seit einiger Zeit werden zahlreiche Corona-Infektionen insbesondere bei Kindern ab dem Schulalter und bei Jugendlichen festgestellt. An Kitas und Schulen wird jedoch in der Regel auch zwei Mal in der Woche auf das Virus getestet. Die Covid-19-Impfstoffe sind bislang ab 12 Jahren zugelassen. Kinder und Jugendliche erkranken zwar deutlich seltener schwer an Covid-19 als ältere Menschen, es gibt aber noch offene Fragen rund um Langzeitfolgen.

Auf den Intensivstationen zeichnete sich über die vergangenen Wochen ein Plateau bei den Fallzahlen von Patientinnen und Patienten mit Covid-19 ab, schreibt das RKI. Momentan werden dort rund 1400 daran erkrankte Erwachsene versorgt, die Tendenz ist nun leicht steigend. Das Divi-Intensivregister gibt den Anteil von minderjährigen Betroffenen mit 0,7 Prozent an (Stand 15. Oktober).

In den Gruppen ab 70 Jahren, für die die Ständige Impfkommission (Stiko) mittlerweile eine Auffrischungsimpfung empfiehlt, fallen die Inzidenz-Anstiege laut Wochenbericht größtenteils nur leicht aus. Ausnahmen gibt es bei den Hochaltrigen über 90 Jahre. Der Wert stieg von 39 auf 48 von vorvergangener auf vergangene Woche. Im höheren Alter falle die Immunantwort nach Impfungen insgesamt geringer aus und Impfdurchbrüche könnten häufiger auch zu einem schweren Verlauf führen, schrieb die Stiko kürzlich.

Insgesamt bewertet das RKI die Lage bei den Infektionszahlen im Wochenbericht für den 4. bis 10. Oktober als stagnierend. Die Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern unterscheiden sich jedoch weiterhin. Deutliche Anstiege verzeichneten im Vergleich der beiden vergangenen Wochen Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und das Saarland, heißt es im Bericht.

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland ist nun am dritten Tag hintereinander jedoch gestiegen. Das RKI gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Freitagmorgen mit 68,7 an. Am Vortag lag die Zahl bei 67,0, vor einer Woche bei 63,8.

Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 65 Todesfälle verzeichnet, vor einer Woche waren es 86. Die Zahl der Menschen, die in der Pandemie an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 94.526.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie rund 4,35 Millionen nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Verschärfung der Einschränkungen nicht in Sicht

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter - gab das RKI am Freitag mit 2,02 (Donnerstag 1,93) an. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Die Corona-Impfquote in Deutschland steigt langsam, aber stetig. In Deutschland sind nun 65,6 Prozent der Bevölkerung vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Die Quote unter den Erwachsenen liegt bei 76,2 Prozent. Mehr als 54,5 Millionen Bundesbürger sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums vollständig geimpft.

Unter den Kindern und Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren haben inzwischen 44 Prozent mindestens eine erste Spritze bekommen, 38,2 Prozent sind vollständig geimpft.

Das RKI geht allerdings davon aus, dass unter Erwachsenen vermutlich mehr Menschen geimpft sind, als die Daten nahelegen. So hieß es in einem Bericht Anfang Oktober, dass die Quote bei einmal und vollständig Geimpften ab 18 Jahren bis zu fünf Prozentpunkte höher sein dürfte.

Eine Auffrischungsimpfung haben inzwischen bereits mehr als 1,2 Million Menschen in Deutschland erhalten.

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