Merkel und RKI-Präsident Wieler vorsichtig optimistisch wegen Corona-Entwicklung

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RKI-Präsident Lothar Wieler
RKI-Präsident Lothar Wieler

Der offenbar abgebremste Anstieg der Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem Präsidenten des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, vorsichtigen Optimismus geweckt. Sowohl Merkel als auch Wieler verwiesen am Donnerstag darauf, dass sich die Kurve der Neuinfektionen abflache. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erwartet, dass aber auch bei einer weiteren Entspannung in diesem Winter keine Veranstaltungen mit mehr als 15 Teilnehmern möglich sind.

"Jetzt sieht man, wie es sich abflacht", sagte Merkel in einer Onlinediskussion mit Auszubildenden zur Entwicklung der Infektionskurve. Es sei aber mehr notwendig - "jetzt müssen wir runterkommen". Ziel sei es, auf die Rate von bis zu 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche zu kommen.

Dies Ziel gab auch RKI-Präsident Wieler aus. Er ist ebenfalls nach eigenen Worten "vorsichtig optimistisch" hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Corona-Infektionslage in Deutschland. "Die Kurve flacht sich ab". Es sei aber noch nicht klar, ob dies eine stabile Entwicklung sei.

Wieler sagte zum aktuellen Infektionsgeschehen, die Fallzahlen seien zuletzt weniger stark gestiegen. Dies zeige, dass Deutschland dem Virus nicht hilflos ausgeliefert sei. "Wir sind nicht machtlos." Es sei aber noch zu früh, die Wirkungen des seit Anfang des Monats geltenden teilweisen Lockdowns zu bewerten.

Insgesamt bewertete Wieler die aktuelle Lage als "weiter sehr ernst". Das Infektionsgeschehen nehme immer noch praktisch in ganz Deutschland zu, die Fallzahlen seien weiter sehr hoch. Auch die Zahl der schweren Verläufe und der Intensivpatienten werde weiter steigen, ebenso die Zahl der Todesfälle.

Das RKI hatte am Donnerstagmorgen fast 22.000 Neuinfektionen gemeldet. Wie das Institut unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden 21.866 neue Ansteckungsfälle binnen einem Tag erfasst. Dies waren rund 3400 Neuinfektionen mehr als am Vortag, als knapp 18.500 neue Fälle gemeldet worden waren. Die Zahl der Todesfälle stieg gegenüber dem Vortag um 215.

Wieler sagte, es müsse auch damit gerechnet werden, dass Kliniken an ihre Kapazitätsgrenzen stießen. Die deutschen Krankenhäuser berichten laut RKI derzeit zunehmend über Engpässe. Fast die Hälfte der Kliniken melde derzeit eine eingeschränkte Verfügbarkeit, sagte Wieler. Als Hauptgrund nannte er Engpässe beim Personal. "Es kommt zunehmend zu Einschränkungen des Betriebs aufgrund des Personalmangels."

Auch mit Blick auf die Situation in den Krankenhäusern sei es wichtig, die Zahl der Neuinfektionen auf ein deutlich niedrigeres Niveau zu bringen. "Wir müssen hier noch ein paar Monate wirklich die Pobacken zusammenkneifen", mahnte Wieler zur Disziplin. An die Schulen appellierte er, die vorliegenden Hygienekonzepte konsequent umzusetzen. Mittlerweile seien auch bei den Zehn- bis 19-Jährigen hohe Infektionszahlen erreicht worden.

Bundesgesundheitsminister Spahn sagte im Rundfunk Berlin-Brandenburg, Veranstaltungen mit mehr als zehn oder 15 Menschen sehe er in diesem Winter nicht mehr. Selbst wenn die Infektionszahlen sänken, bedeute das nicht, dass ab Dezember oder Januar Weihnachts- oder Hochzeitsfeiern stattfinden könnten, "als wäre nichts gewesen".

ran/cfm