Rodenkirchener Kunstmeile: Protest bei Sekt und Häppchen

Den Rodenkirchenern wurde der verkaufsoffene Sonntag genommen.

Oberbürgermeisterin Henriette Reker bezieht klar Stellung: „Ich wäre auch gerne zum Einkaufen hergekommen“, sagt sie zur Eröffnung der 15. Rodenkirchener Kunstmeile im Sommershof. Der Andrang ist groß, sie hat Mühe, ans Rednerpult zu kommen.

Es sei schön, dass es so voll sei, „dass man sich hier durchwurschteln muss“. Auch Wolfgang Behrendt von der veranstaltenden Aktionsgemeinschaft Rodenkirchen, freut sich über den zahlreichen Besuch, „das Medieninteresse hat uns gut getan“, gibt er zu.

Verbot der verkaufsoffenen Sonntage

Im Vorfeld hatte es heftig gekriselt im Kölner Süden, das Verbot der verkaufsoffenen Sonntage stieß auf wenig Verständnis. Donnerstag früh entscheiden dann die beteiligten Geschäftsleute (Restaurants, Bistros und Hotel waren ja nicht betroffen), zu öffnen, Besucher aber vor der Tür zu begrüßen. Im Laden dürfen sich nur die Künstler und Wachmänner aufhalten.

Reker verspricht fürs nächste Jahr, „als Verwaltung alles sehr sorgfältig“ zu prüfen, diesmal habe man sich der „Rechtsprechung unterwerfen“ müssen. Kuratorin Alexa Jansen hält ein Plädoyer für die Kunst gerade in unsicheren Zeiten und übt heftig Kritik an der sogenannten Familienfeindlichkeit („Ich habe selbst zwei Kinder.“) einer Sonntagsöffnung. Zumal auch viele Kinder und Jugendliche zu den Ausstellern gehören, die nun ihren Eltern zeigen können, was sie geleistet haben.

Bilder in Geschäftsräumen ausgestellt

Der schwarze Block mit den roten Firmenlogo trifft sich wenig später auf dem Maternusplatz, Rene Baaden weist seine Security ein, gibt letzte Verhaltensmaßregeln. Dagmar Bätz ist der Mann an ihrer Seite nicht unlieb, unter dem Titel „Kölner Schätze“ zeigt sie bei Juwelier Behrendt ungewöhnliche Stadtansicht, Kohle-Zeichnungen mit auf Büttenpapier genähtem Stoff. Auf die Schätze in den Vitrinen hat der Wachmann ein scharfes Auge.

Solche Probleme hat Helmut Stürtz nicht. Er stellt seine „Literaturbilder“ im Bistro Épi am Maternusplatz aus, er musste nur bei der Hängung seiner Arbeiten ein wenig improvisieren. Das schöne Wetter kommt Doris Pechers Präsentation von „Treibgut aus Köln und Sylt“ gelegen, das Sylter Eiscafé ist gut besucht. Etwas irritiert sind dagegen Gäste des Restaurants „La Buona Tavola“, weil die Flanierer nicht nur Arbeiten von Gisela Kampffmeyer gucken, sondern auch auf die Teller.

Von 25 Einzelhändlern beteiligen sich 20 an der Aktion, die anderen hatten Sorge um ihr zumeist kleinteiliges Sortiment, da hätte ein Security-Mann nicht gereicht. Nicht mal den hat Marion Wenge, sie stellt ihre Bilder, die sich alle mit dem Meer beschäftigen, auf dem Bürgersteig und den Treppen zu Köttgen Hörakustik aus. Wie viele hatte sie für Sonntag einen Sekt-Empfang geplant, erst Donnerstag erfuhr sie, dass die Filiale, die ihr das gesamte Schaufenster leergeräumt und auch in den Räumen viel Platz zur Verfügung gestellt hat, geschlossen bleibt.

Nur Kunst durfte verkauft werden

„Verkauft wird eigentlich nur während der Vernissage“, weiß sie aus Erfahrung, also hat sie kleinere Arbeiten eingepackt und hofft auf Laufkundschaft. Für die Künstlerin wäre es doppelt ärgerlich, denn die Woche über hat sie, wie die meisten, keine Zeit, im Laden zu stehen. „Das ist ja ein Witz, was die da gemacht haben“, empört sich Roswitha Wessig, die gerade vorbei geht und legt gleich noch ein deftiges Schimpfwort hinterher. „Das ist noch zart ausgedrückt.“

Dabeisein ist wichtig, das gilt zum Beispiel für die Bewohner des Caritas-Altenzentrums St. Maternus. Erstmals zeigen sie fast 50 Arbeiten zum Thema „Leben“. Spaß am Kreativen vermitteln die Beiträge“ des „Offenen Ateliers“ in der Diakonie Michaelshoven, zu sehen im Sommershof wie auch die Studien von Sportsfrauen und Sportsmänner von Schülerinnen und Schülern der Gesamtschule Rodenkirchen.

Ein Sonntag im Zeichen der Kunst, mit angeregten Gesprächen in der Sonne, bei Sekt und Häppchen. Verkauft werden durfte nur die Kunst, da hätte es die Aussteller sicher gefreut, wenn die Inhaber der Geschäfte das ein oder andere Kleidungsstück weggepackt oder ein paar Blumentöpfe beiseite geräumt hätten....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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