„Rosins Fettkampf“: die nächste beliebige Abnehmshow

Johannes Giesler
Freier Autor
In Rosins Fettkampf treten Sebastian Lege (links) und Frank Rosin gegeneinander an und wollen die Pfunde purzeln lassen. Foto: Kabeleins / Willi Weber

Zwei Fernsehköche, zwei Teams, zu viele Kilos. Alle wollen abnehmen und ihr Leben verändern. Die neue Show „Rosins Fettkampf“ hat einen interessanten Ansatz, weil auch die Fernsehköche jederzeit rausfliegen können. Nur wird jede Spannung durch den viel zu kumpeligen Ton zunichte gemacht.

Pünktlich zum Jahreswechsel und den guten Vorsätzen serviert Kabeleins die nächste Abnehmshow. Das Konzept ist nicht neu: In bester „biggest Loser“-Manier treten zwei Teams gegeneinander an, sie sagen ihren Pfunden den Kampf an mit Sport und neuer, gesunder Diät. Das Besondere: Jedes Team hat einen Anführer, einen Fernsehkoch. Auf der einen Seite ist das Frank Rosin, auf der anderen Seite Sebastian Lege. Die Anführer, beide ebenfalls gut beplauzt, nehmen auch Teil an der Show. Sie haben keine Immunität, können also beim regelmäßigen „großen Wiegen“ ebenfalls rausfliegen. Alle zwei Wochen muss einer gehen, das ist der Teilnehmer, der am wenigsten prozentuale Masse verloren hat. Und schon in der ersten Folge steht einer der Fernsehköche vor dem Aus. Dem Sieger winken 10.000 Euro.

„Rosins Fettkampf“ ist manchmal derb, manchmal herzlich. Das kommt dem Namensgeber entgegen, das kann er gut, beweist er auch regelmäßig in seinen anderen Formaten. Wenn er entweder Pleiterestaurants vor der Insolvenz bewahrt oder in „the Taste“ seine Untergebenen anpfeift. Da schlägt er zwar auch mal über die Stränge, aber als Koch, in der Küche herrscht ja bekanntlich immer ein rauer Ton, da arbeiten richtige Kerle, da darf man das wohl. Für seinen Fettkampf hat er Sebastian Lege an die Seite bekommen, weniger bekannt, aber eine ebenbürtige große Klappe. Es ist also angerichtet.

Der Doktor erklärt die gesundheitlichen Gefahren

„Seine Rezepte helfen beim Abnehmen, nur sieht man ihm das nicht an. Denn auch er hat in letzter Zeit kräftig draufgepackt“ – so startet die Show. Und Frank Rosin erklärt sich: „Ich habe Probleme mit meinem Gewicht, weil ich ein leidenschaftlicher Esser bin. Und weil ich maßlos bin.“ Weil er als Koch aber genau wisse, wie man gesund kocht, sei er der Richtige für diesen Job hier. Auch sein Gegenüber, Sebastian Lege, kennt sich als Lebensmitteltechniker gut mit versteckten Zuckern und Fetten aus, dieses Wissen will er seinem Team vermitteln.

Das Expertentrio komplettiert Urs Schaden, er ist Ernährungsmediziner und wird immer wieder mit Ratgeber-Momenten dazwischen geschnitten. Zudem hat er alle Kandidaten anfangs untersucht, deren Alltag genau abgefragt und ihnen auf den Kopf zugesagt, was ihre Probleme und gesundheitlichen Gefahren sind. So misst er erstmal Franks Bauchumfang: 125 Zentimeter. Rechnet ihm dann seinen Body-Mass-Index vor: 32,1. Bis 25 sei da alles im grünen Bereich, ab 30 aber Adipositas. Krankhaftes Übergewicht. Da steige die Wahrscheinlichkeit von Diabetes, Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen, Gelenkverschleiß, selbst Krebs. „Alter, wenn das einer hört, dass du Adipositas hast“, sagt Rosin dazu.

Die Kandidaten lernen wir beim letzten Abendmahl kennen, dafür tischen die Fernsehköche nochmal richtig auf. Da stehen ganze Spanferkel auf den Tischen, Kuchen und Torten – im Stile einer römisch dekadenten Völlerei. In Team Rosin (Anfangsgewicht 593 Kilogramm) treten an: Franzi, sie ist 28, Hausfrau und Mutter und liebt Currywurst und Cola – würde dafür wohl töten, sagt sie. Christoph, 25, der Industriemechaniker lebt noch im Hotel Mama und liebt ihr Essen zu sehr, außerdem Fastfood, Energydrinks und Playstation. Die 46-jährige Marion ist Osteopathin für Pferde versteckt gerne ihre Chipstüte, damit niemand was klaut. Und Thomas, 35, ist Fußball-Freizeittrainer, hat mit der anstehenden Diät keine Probleme, nur ob er auf sein Bier verzichten kann? Das wird ihm schwerfallen.

Jeder Kandidat erhält eine andere Diät

Team Sebastian Lege (Anfangsgewicht 622 Kilogramm) besteht aus Wilm, ein 33-jähriger Tätowierer, der sich kaum bewegt, außer zum Döner auf der anderen Straßenseite. Lisa, 28, Hauswirtschafterin, macht nie Sport. Wolfgang, der 46-jährige IT-Fachmann, hat viel zu verlieren, nämlich 46 Kilogramm reine Fettmasse, laut Urs Schader. Und Ilona, 50, besitzt ein Nagelstudio und will sich endlich wieder ohne körperliche Probleme die Schuhe zubinden können.

Das ist Team Rosin, die Freunde der unkontrollierten Nahrungsaufnahme. Foto: Kabeleins / Guido Engels

Jeder Kandidat bekommt vom Doktor nun eine persönliche, aber populäre, Diät verschrieben, die gut in den Alltag integriert werden kann. Darunter sind Low Sugar (Maximal 20 Gramm am Tag), vegetarisch, Low Carb, 16:8 (die gesamte Nahrung in acht Stunden aufnehmen, dann 16 Stunden fasten), 5:2 (fünf Tage essen, zwei fasten), Low-Fett, und so weiter.

Die Show geht insgesamt vier Monate, verboten sind in der Zeit Süßigkeiten, Softdrinks, Alkohol und Light-Produkte. Ziel ist, dass die Kandidaten ein neues nachhaltigen Leben kennenlernen und das auch in ihren Alltag integrieren können. Denn der Alltag geht ganz normal weiter, die Kandidaten treffen sich nur mal zum gemeinsamen Sporteln oder zu Kochübungen.

Fazit: wenig Konkurrenz, kaum Herausforderungen

Was gibt es also zu sagen, über die erste Folge Fettkampf mit Frank Rosin? Die Show ist sehr kumpelig und weit weniger auf Competition getrimmt, als Biggest Loser. Während da die Kandidaten jeden Tag an ihr absolutes Limit gehen müssen, kommt vor allem die Sportkomponente sehr kurz bei Rosin. Auch weil die Kandidaten ihr Leben einfach weiterleben. Deshalb gibt es kaum Videomaterial von den Tagen zwischen Wiegen und den wenigen Treffen.

Team Sebastian Lege legt nach den ersten beiden Wochen gut vor, ihr Anführer verliert am wenigsten Gewicht. Foto: Kabeleins / Frank Dicks

Geht es dann zentral ums Essen? Um sinnvolle, gesunde Rezepte? Immerhin haben zwei Köche eingeladen. Nein. Zweimal schütten die professionellen Pfannenwender buntes Gemüse zusammen, ein paar Kräuter, schnippeln mageres Fleisch rein und servieren das als Diätkost. Wow. Nicht mal Maßeinheiten gibt es dazu, um die wenig spannenden Rezepte nachzukochen. Wahrscheinlich, weil schon ein Abnehm-Kochbuch von Frank Rosin in den Startlöchern steht.

Außerdem lässt sich streiten, wie vergleichbar es ist, wenn sich die Kandidaten an komplett unterschiedliche Diäten halten. Kann es da einen „fairen“ Fettkampf geben? Nimmt man grundsätzlich mit Paleo genauso ab, wie mit weniger Fett? Oder es ist alles Makulatur, wenn man nur ausreichend Sport macht? Anscheinend, denn nach den ersten beiden Wochen haben beide Teams fast gleich abgenommen: 6,96 Prozent und 6,97 Prozent. Gehen muss nun der schwächste Kandidat aus dem Team, das weniger Gewicht verloren hat. Das ist Christoph aus Rosins Team. Der schwächste Kandidat aus Team Sebastian Lege war übrigens Sebastian Lege – das war also knapp.