Rothschild-Nachfahre wirft Stadt Wien "Fortführung" von NS-Recht vor

Der New Yorker Unternehmer und Nachfahre der Rothschild-Familie Geoffrey Hoguet ist gegen die Stadt Wien vor Gericht gezogen - und hat ihr laut Medienberichten die "Fortführung" von NS-Gesetzgebung vorgeworfen. Im Zentrum der Klage steht Berichten der Zeitungen "Kurier" und "Profil" zufolge die "Nathaniel Freiherr von Rothschild'sche Stiftung", die nach der Machtübernahme der Nazis aufgelöst worden war und seit der Wiederherstellung 1956 von der Stadt Wien verwaltet wird.

Hoguet fordert, dass die Stiftung wieder durch ein unabhängiges Kuratorium geführt wird - wie vom Namensgeber gewünscht. Der 69-Jährige ist ein Nachfahre des jüngeren Bruders des 1905 verstorbenen Nathaniel Freiherr von Rothschild, der in seinem Testament die Gründung einer Stiftung zur Bereitstellung psychiatrischer Hilfe für Bedürftige verfügt hatte.

1912 eröffnete die Stiftung eine Klinik, die bis heute als neurologisches Zentrum in Wien besteht. Gemäß dem testamentarisch verfügten Wunsch Rothschilds wurde die Stiftung von einem zwölfköpfigen Gremium unter dem Vorsitz der Rothschild-Familie geführt. 1939 lösten die Nazis die Stiftung auf.

Als die Stadt Wien die Stiftung 1956 wiederbelebte, wurde auf die Wiedereinführung des zwölfköpfigen Gremiums verzichtet - bis heute verwaltet der Magistrat der Stadt Wien die Stiftung. Hoguet will den Medienberichten zufolge erreichen, dass diese Regelung zugunsten der ursprünglichen gekippt wird. Der Stadt Wien wirft er demnach vor, den letzten Willen des Stiftungsgründers zu missachten.

Darüber hinaus will Hoguet auch den Verkauf einer ehemals von der Stiftung betriebenen Klinik rückgängig machen. Diese sei zu einem "extrem unterbewerteten" Preis an die Stadt Wien gegangen, beklagt der 69-Jährige laut einem Bericht der "Financial Times". Desweiteren will der Kläger eine Änderung an der Stiftungssatzung von 2017 für nichtig erklären lassen, die vorsieht, dass das gesamte Stiftungsvermögen im Falle einer Auflösung an die Stadt Wien übertragen werden würde.

Ein Anwalt der Stadt Wien erklärte, die Vereinbarungen zur Rothschild'schen Stiftung seien vor Jahrzehnten "in größtem Respekt und Einvernehmen und ganz im Sinne des ursprünglichen Stiftungszwecks" geschlossen worden.