ROUNDUP/Air France-KLM und IAG mit starkem Sommer: Aktionäre dennoch enttäuscht

PARIS/LONDON (dpa-AFX) -Eine starke Nachfrage im Sommer hat der Fluggesellschaft Air France-KLM FR0000031122 einen Gewinnsprung beschert. Zwar lagen die Finanzkennziffern deutlich über den Vorjahreswerten, wie die Lufthansa-Konkurrentin DE0008232125 am Freitag in Paris mitteilte. Mit ihren Ergebnissen im dritten Quartal verfehlte das Unternehmen aber die Erwartungen von Analysten leicht. Weil sich zudem Konzernchef Benjamin Smith nicht zum laufenden Jahresviertel äußerte, zeigten sich Aktionäre besorgt. Für die Air-France-KLM-Aktie ging es deutlich bergab. Am Vormittag fiel die Aktie um knapp sieben Prozent.

Seit dem Jahreswechsel haben Anleger des französisch-niederländischen Flugkonzerns einen Wertverlust von rund 17 Prozent verzeichnet. Wer die Scheine seit einem Jahr hält, muss mit gut einem Drittel weniger zurechtkommen. Auf zwei Jahre gesehen ist eine Aktie nur noch halb so viel Wert wie zum Kaufzeitpunkt.

In ihrem Sog ging es am Freitag auch für die Aktien der Wettbewerber Lufthansa und IAG ES0177542018 bergab. Beide Papiere verloren um die 3,3 Prozent - und das, obwohl IAG mit ihrem am Freitag veröffentlichten Zahlenwerk an sich die Erwartungen übertraf. Allerdings habe eine Gewinnprognose gefehlt, bemängelte Bernstein-Analyst Alex Irving.

Wie Air France-KLM FR0000031122 am Freitag weiter mitteilte, stieg der Umsatz des dritten Quartals gegenüber dem Vorjahr um rund sieben Prozent auf fast 8,7 Milliarden Euro. Beim operativen Gewinn gelang Air France-KLM sogar ein Sprung um fast ein Drittel auf gut 1,3 Milliarden Euro, weil Störungen im Betriebsablauf nicht mehr so teuer zu Buche schlugen. Branchenkenner hatten sich allerdings etwas mehr erhofft.

Im vergangenen Sommer hatte Air France-KLM etwa am Flughafen Amsterdam mit einer Vielzahl an Annullierungen und Verspätungen zu kämpfen. Der Überschuss verdoppelte sich nun auf 931 Millionen Euro.

An seinem Jahresziel eines Sitzplatzangebotes von rund 95 Prozent des Vor-Corona-Niveaus hält das Management fest. Im dritten Quartal schrammte Konzernchef Smith gerade so an diesem Ziel vorbei. Neben Air France und KLM zählt zu dem Konzern auch die Billigfluggesellschaft Transavia, deren Maschinen seit Monaten besonders gut ausgelastet sind. Analysten kritisierten hingegen, dass sich der Manager keine neue Jahresprognose zugetraut habe. Auch vermissten die Branchenkenner Kommentare zum laufenden Quartal.

Auch die Konkurrentin IAG, die hinter den Fluggesellschaften British Airways, Iberia, Vueling und Aer Lingus steht, gab keine genaue Prognose für den operativen Gewinn 2023 ab. IAG-Chef Luis Gallego hatte nur angekündigt, das Sitzplatzangebot der Konzernfluggesellschaften dürfte im laufenden Jahr rund 96 Prozent der Vor-Corona-Niveaus erreichen - bislang hatte der Manager einen Prozentpunkt mehr angepeilt.

Auch bei den Einsparungen von Ausgaben abseits von Treibstoffkosten dürfte nur noch das untere Ende der Spanne von 6 bis 10 Prozent erreicht werden. Als Grund nannte IAG eine höhere Zahl an Problemen. Ende August hatte etwa ein Ausfall der Flugsicherungssysteme in Großbritannien zu deutlichen Verspätungen und einer Vielzahl von Flugstreichungen geführt. Alex Irving vom Analysehaus Bernstein bemängelte, dass das vierte Quartal zwar "in Ordnung" aussehe. Das ausgebliebene Gewinnziel dürfte allerdings negative Folgen für die IAG-Aktie haben.

Dabei hatte IAG im dritten Quartal deutliche Fortschritte gemacht und die Erwartungen von Branchenkennern markant übertroffen. Wegen niedrigerer Treibstoffkosten und höherer Effizienz steigerte der Konzern seinen operativen Gewinn gar um knapp 44 Prozent auf gut 1,7 Milliarden Euro. Unter dem Strich verdiente IAG mehr als 1,2 Milliarden Euro nach knapp 853 Millionen ein Jahr zuvor. "Das erlaubt uns, in unser Geschäft zu investieren und einen bedeutsamen Teil unserer Schulden zu reduzieren", sagte Konzernchef Gallego laut Mitteilung.

Der Konzernumsatz wuchs im Jahresvergleich um 18 Prozent auf gut 8,6 Milliarden Euro. Vor allem die Strecken in den Regionen Nord- und Südatlantik sowie unter Privatreisenden beliebte Flugziele in Europa seien gefragt gewesen.