ROUNDUP: Qiagen ist der Konkurrenz voraus - Zuversichtlich für 2024

VENLO (dpa-AFX) -Der Diagnostikspezialist und Labordienstleister Qiagen NL0012169213 schlägt sich im aktuell schwierigen Marktumfeld besser als gedacht. Im dritten Quartal übertraf der Konzern die Marktprognosen und bestätigte seine im August gekürzten Jahresziele. Finanzchef Roland Sackers zeigte sich am Dienstag zuversichtlich, dass Qiagen 2024 wieder wachsen und seine Profitabilität steigern kann. Dabei dürfte der Konzern sich besser schlagen als der Markt, sagte er in einer Telefonkonferenz. Eine konkrete Prognose soll es aber erst zu Jahresbeginn geben.

Am Markt sorgten die Nachrichten für Kursgewinne, nachdem etwa Konkurrent Sartorius DE0007165631 seine Prognosen zuvor ein weiteres Mal gesenkt hatte. Die Papiere des Diagnostikspezialisten gewannen zuletzt gut vier Prozent auf 34,70 Euro, nachdem sie tags zuvor zwischenzeitlich noch 32,74 Euro gekostet hatten. Damit hatten sie 2023 bisher über 30 Prozent eingebüßt.

Analysten lobten unisono das Zahlenwerk. "Solide gegenüber schwachen Erwartungen" hätten die Niederländer im dritten Quartal abgeschnitten, erklärte Berenberg-Experte Odysseas Manesiotis. Insbesondere die beibehaltenen Ziele sollten laut dem Fachmann für Erleichterung bei den Anlegern sorgen. Im Geschäft abseits von Covid laufe es weiter stark. Zwar sei die Aktie nicht immun gegen die anhaltende Schwäche im Biotech-Geschäft, offenbar hätten viele am Markt aber Qiagens Abhängigkeit von der Medikamentenentwicklung in der frühen klinischen Phase überschätzt. Hier sei der Anteil am Gesamtumsatz aber klein.

Bei Qiagen machen stattdessen den mit Abstand größten Batzen der Erlöse die sogenannten Verbrauchsmaterialien aus, die in den Laboren regelmäßig benötigt werden. Sie sorgen so beim Unternehmen für einen steten Einnahmefluss. Davon profitierte der Konzern auch im vergangenen Quartal. Der Rückgang der Einnahmen aus Covid-bezogenen Produkten wie etwa Corona-Tests ließ sich allerdings nicht ausgleichen. In den drei Monaten von Juli bis September musste der Dax DE0008469008-Konzern Umsatzeinbußen von fünf Prozent auf 476 Millionen US-Dollar hinnehmen. Analysten hatten jedoch im Mittel mit geringeren Erlösen gerechnet, auch schlug Qiagen die eigene Umsatzprognose für das Quartal.

Während aber die Nachfrage nach Verbrauchsmaterialien bisher im Jahr anhaltend stabil geblieben sei, bleibe der Absatz von größeren Geräten jedoch "herausfordernd", hieß es weiter. Auch Qiagen bekam im vergangenen Quartal die schwierige Lage der Biotech-Industrie zu spüren, die aktuell mit großer Investitionszurückhaltung der Kunden kämpft. Insbesondere in China sei die Lage angespannt, so Sackers, wenngleich sich Qiagen besser als viele in der Branche geschlagen habe, da der Konzern lokal für den Markt produziere.

Dass vor allem kleinere Biotech-Startups mit dem Ende des Corona-Booms um ihre Finanzierung ringen, kommt dem Dax-Unternehmen dagegen unterdessen zupass: Noch vor ein paar Quartalen hatte der Konzern mögliche Optionen für sein Bioinformatik-Geschäft überprüft, darunter etwa ein Joint Venture. Inzwischen ergäben sich aber zunehmend Möglichkeiten, den - bereits profitablen - Bereich durch Zukäufe weiter zu stärken, sagte Sackers. Generell wolle Qiagen auch im kommenden Jahr weiter kräftig in sein Wachstum investieren.

Noch im August hatte Qiagen seine Ziele unter anderem wegen einer unerwartet schwachen Nachfrage nach seinen Covid-Produkten gekappt. Für dieses Jahr werden ein Umsatzrückgang auf 1,97 Milliarden Dollar zu konstanten Wechselkursen und ein bereinigter Gewinn je Aktie von mindestens 2,07 (Vorjahr: 2,38) Dollar erwartet. Im vergangenen Quartal war dieser Wert von zuvor 0,53 auf 0,50 Dollar gesunken. Künftig dürfte sich allerdings für Qiagen auch günstig auswirken, dass der Effekt der hohen Covid-bezogenen Umsätze aus dem Vergleichsjahr 2022 wegfällt.

Bei seinen weiteren Wachstumsambitionen setzt das Management nach den Worten Sackers' zudem auch in Zukunft auf seinen Tuberkulosetest Quantiferon, der in den vergangenen Quartalen regelmäßig prozentual zweistellige Wachstumszahlen ablieferte. Aber auch bei einzelnen Diagnostikgeräten sieht der Finanzvorstand gute Möglichkeiten, künftig steigende Erlöse zu generieren.